Zweitstudium – denn doppelt hält besser

Viele Wege führen zum Traumjob, einer davon ist das Zweitstudium. Es kann den Wert des Absolventen am Arbeitsmarkt steigern und für den erhofften Karriereschub sorgen. Manche Studenten haben „irgendwas“ studiert und möchten ihre Studienwahl nun korrigieren.
Die Entscheidung sollte nicht über Nacht getroffen werden: Denn es entstehen weitere Kosten, während deine Kommilitonen voll durchstarten. Dafür hast du die Chance, das zu machen, was du wirklich möchtest.

Was ist ein Zweitstudium?

Für das Zweitstudium wird ein abgeschlossenes Erststudium vorausgesetzt

Für das Zweitstudium wird ein abgeschlossenes Erststudium vorausgesetzt

Als Erststudium wird ein „normales“ Studium bezeichnet, das man an einer Hochschule absolviert. Sobald du fertig bist, kannst du dir einen Job suchen oder einen weiteren Abschluss dranhängen. Bei einem Studienabbruch wird weiterhin von einem Erststudium gesprochen, auch wenn du erst in der Schlussprüfung gescheitert bist.
„Für das Zweitstudium wird ein abgeschlossenes Erststudium vorausgesetzt.“
Da der Master direkt an den Bachelor anknüpft, wird er dem Erststudium zugeschrieben. Ebenfalls abzugrenzen ist das Doppelstudium, bei dem man mehrere Studiengänge gleichzeitig studiert. Ist der Student an zwei Hochschulen immatrikuliert, spricht man von einem Parallelstudium.

Wie läuft die Bewerbung ab?

Die Studienplatzvergabe erfolgt nach internen Richtlinien. Weder Abiturnote noch Wartezeit sind relevant. Es kommt darauf an, wie gut du deinen Studienwunsch begründen kannst. Zudem wird die Abschlussnote des Erststudiums verlangt – und nicht die Abiturnote. Ein Numerus Clausus existiert nicht, da die Hochschulen nur eine begrenzte Anzahl an Studienplätzen zur Verfügung stellen. In der Regel werden sie individuell vergeben, sofern mehr Bewerber als Plätze vorhanden sind.

„Das Motivationsschreiben genießt höchste Priorität.“

Ein Grund für das Zweitstudium wären enorme berufliche Vorteile

Ein Grund für das Zweitstudium wären enorme berufliche Vorteile

Pro Semester stehen höchstens 2 bis 5 Studienplätze pro Fachrichtung zur Verfügung. Manche Hochschulen setzen ein Gespräch mit dem zuständigen Fachleiter voraus. Generell sind die Chancen stark eingeschränkt, weshalb du dir eine gute Begründung überlegen solltest. Fachliches Interesse reicht nicht aus, dafür wurde der Gasthörerstatus geschaffen. Genauso wirst du eine Absage erhalten, wenn du grob mit „Karrieregründen“ argumentierst.
Es ist wichtig, konkret ins Detail zu gehen und die Entscheidung exakt zu begründen. Folgende Argumente sind von den meisten Hochschulen anerkannt:

  • – Das Zweitstudium verschafft dir enorme berufliche Vorteile, die alleine durch das Erststudium nicht gegeben sind. So kannst du deine Karriere deutlich vorantreiben.
  • – Der Beruf kann ohne den zweiten Studiengang nicht ausgeübt werden, wie es bei Gesichtschirurgen oder Schulpsychologen der Fall ist. Hier genügt eine kurze Begründung, um das Studium antreten zu können.
  • – In der Forschung werden häufig besondere Fachkenntnisse verlangt, die über das Erststudium hinausgehen. Daher musst du ein weiteres Studium absolvieren, um dich für komplexe Projekte zu qualifizieren.
  • – Du könntest deine Karrierechancen schlagartig verbessern, wenn du ein weiteres Studium in der Tasche hättest. Beide Studiengänge müssen nicht aufeinander aufbauen. Hier ist eine detaillierte Begründung notwendig, warum es genau dieses Fach sein soll.
  • – Hat sich die Mutter eine längere Auszeit genommen, könnte das Zweitstudium ein sinnvoller Karriereboost sein. Eine langjährige Krankheit ist ein weiterer sonstiger Grund.

 

 Lohnt sich das Zweitstudium wirklich?

Das Zweitstudium verlangt besonderes Engagement, aber ist auch eine besondere Chance

Das Zweitstudium verlangt besonderes Engagement, aber ist auch eine besondere Chance

Aller Anfang ist schwer, vor allem was den Studienstart betrifft. Es verlangt ein besonderes Engagement, da du wieder die Schulbank drücken musst. Zudem musst du auf deine Finanzen achten, was relativ anstrengend ist. Während die ehemaligen Kommilitonen von ihren Erfolgen berichten, beginnst du quasi wieder von neuem. Dafür erhältst du die Chance, deine Fähigkeiten und Kenntnisse zu erweitern. Das kann für deine berufliche Karriere entscheidend sein, vor allem was die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt betrifft.
Frisch nach dem Abitur wählen zahlreiche Schüler den falschen Studiengang aus. Doch sie führen das Studium zu Ende, da es Familie und Freunde von ihnen erwarten. Manch angehender Lehrer stellt im Referendariat fest, dass diese Tätigkeit nichts für ihn ist. Das gilt auch für Absolventen anderer Studienrichtungen, die mit ihren Job unzufrieden sind.

„Das Zweitstudium ermöglicht eine Neuorientierung im passenden beruflichen Umfeld.“

Da man über die Jahr gereift ist, kann man eine bessere Entscheidung treffen. In der Regel haben Arbeitgeber an einem weiteren Studium nichts auszusetzen. Solange ein roter Faden verfolgt wird, geht auch eine Umorientierung in Ordnung. Zudem verfügt der Bewerber über zwei Studienabschlüsse, was die wenigsten Kandidaten vorzuweisen haben. Duale Studenten sind im Vorteil, da praktische Erfahrungen nicht außer Acht gelassen werden sollten.

Gibt es auch Nachteile?

Das Zweitstudium kann auch an einer privaten Hochschule oder Fernuniversität absolviert werden

Das Zweitstudium kann auch an einer privaten Hochschule oder Fernuniversität absolviert werden

In der Regel besteht kein Anspruch auf BAföG, außer es handelt sich um „zwingende berufliche Gründe“. Sonst kommt nur ein Studienkredit oder ein Nebenjob zur Finanzierung infrage. Die Vergabe eines Stipendiums erfolgt äußerst selten.
Wer keinen Studienplatz erhält, kann sich an einer privaten Hochschule bewerben. Die Zugangsvoraussetzungen sind deutlich niedriger angesetzt, dafür fallen die Studiengebühren umso höher aus. Alternativ ist ein Fernstudium möglich, das eventuell vom aktuellen Arbeitgeber getragen wird. So kann man weiter praktische Erfahrungen sammeln und sich gleichzeitig für höhere Positionen qualifizieren. Dafür fällt der Zeitaufwand deutlich intensiver aus.

„In manchen Studiengängen ist das Zweitstudium eine sinnvolle Ergänzung.“

Das gilt für Geisteswissenschaftler, die ihren Fundus um einen wirtschaftlichen Aspekt erweitern möchten. Um nicht völlig praxisfern zu bleiben, sollte man nebenher betriebliche Erfahrungen sammeln. Generell solltest du dich fragen, ob ein Praktikum sinnvoller ist. Wer eine gute Festanstellung erhält, sollte sich lieber betrieblich weiterbilden, wie es bei Ingenieuren der Fall ist. Ein Wirtschaftswissenschaftler kann sein Profil durch ein Zweitstudium schärfen. Doch auch hier eignet sich ein Praktikum als sinnvoller Karriereeinstieg, sollte es anfangs an einem „echten“ Jobangebot mangeln.

 

Fazit

Ein Zweitstudium hilft Studenten ihren Berufsweg zu korrigieren – oder erheblich zu beschleunigen. Findet das Studium an der gleichen Hochschule statt, gestaltet sich der Neuanfang umso leichter. Dennoch musst du dir bewusst machen, dass mindestens drei Jahre bis zum Abschluss vergehen werden.
Dafür hast du einen entscheidenden Vorteil: Du weißt, wie der Hase an der Hochschule läuft.

Bildquellen:
Bild 1: © stockWERK / Fotolia.com
Bild 2: © vadymvdrobot / Fotolia.com
Bild 3: © Alexander Raths / Fotolia.com
Bild 4: © Marco2811 / Fotolia.com
Bild 5: © Dmitry Vereshchagin / Fotolia.com