Wie verwandele ich meine Zweck-WG in mein wohliges Heim

Als Student beginnt man oft ein neues Leben in einer unbekannten Stadt. Geld hat man nicht viel, dennoch auch ein Bedürfnis nach Kontakt. So hat sich als eine typische Wohnform neben einigen anderen die sogenannte Zweck-WG entwickelt. Sie hat wie jede Wohnform Vor- und Nachteile. Werde dir also klar, was du für dich brauchst. Dann wird sich deine aktuelle Wohnsituation zu einem befriedigenden Zustand entwickeln. Oder eine Veränderung muss her – Alternativen hierfür werden folgend auch aufgezeigt.

Wie geht WG?

Jede WG kann nur so gut sein wie seine Mitglieder. Das hört sich jetzt banal, ja trivial an, aber es ist letztlich so. Alle Probleme, die in einer WG entstehen können, sind zwischenmenschliche Probleme. Nun treffen sich in WGs Menschen, die sich meist nicht intensiv kennenlernen konnten. Auch die Motive, in einer WG zu wohnen, können sehr unterschiedlich sein. Werden sie offen kommuniziert? Beginnen wir bei dir: Kannst du sagen und tun, was dir entspricht in deiner WG? Nur wenn du das kannst, dann ist eine solche Wohnform für dich wirklich eine echte Möglichkeit.
Und anders herum: Kannst du deine Mitbewohner so sein lassen, wie sie sind, oder müssen sie sich erst ändern, bevor du dich entspannst? Das wird schwierig. Änderungen sind möglich, geschehen aber anders als erwartet und meist nicht auf unseren Wunsch hin.
Hier musst du dir selber darüber klar werden, was für Wünsche du an das Leben in einer WG hast und ob diese realistisch und für dich lebbar sind.

Zwecke einer Zweck-WG

Um diese genannten zwischenmenschlichen Konflikte zu vermeiden, hat sich die Zweck-WG als Alternative herausgebildet. Hier ist für alle Bewohner klar, dass es zunächst eben erst einmal nur der Zweck ist, der einen verbindet: Schnell einen Wohnplatz zu finden, Geld zu sparen und ein Minimum an sozialem Kontakt zu haben. Wenn das für dich attraktiv ist, dann gehe genau so nüchtern an die WG ran. Beginne bei dir: Dein Zentrum der WG ist dein Zimmer. Mache es zu deinem Reich, deiner Zuflucht, deiner Höhle, deinem Wellnesstempel … Vielleicht stellst du fest, dass dir das gar nicht leicht fällt. Vielleicht sind die Zimmer der anderen viel gemütlicher als deins? Schon könnte sich deine Bedürfnislage verändern: Du suchst bei den anderen, was du für dich nicht kreieren kannst. Das wird aber nicht funktionieren. Also lasse dir helfen und lerne, zu improvisieren. Für ein schnuckeliges Zimmer braucht man nicht unbedingt viel Geld.

Wer zickt? Ursachen für dein Unwohlsein

Nun würdest du diesen Text nicht lesen, wenn in Sachen Wohnen alles rund läuft bei dir. Also halte inne und schau dir an: Wo fühlst du dich unwohl und warum? Wenn dies für dich allein zu schwierig ist, ziehe einen Außenstehenden, dem du traust, hinzu. Es sollte zunächst nicht jemand aus der WG sein! Eigentlich lautet die wirklich wichtige Frage: Wer zickt? Wenn dies ein Mitbewohner ist, dann beobachte einfach ganz wertfrei, wie er dich in das Unwohlsein bringt. Ist er zu zudringlich? Zu schmuddelig? Fühlst du dich abgewiesen? Ist er dir zu egoistisch? Oder zu pingelig? Wie oben gezeigt kann es an diesen Punkten in einer Zweck-WG nur deshalb zum Konflikt kommen, weil man die Gründe für eine Zweck-WG nicht wirklich annimmt bzw. andere Bedürfnisse hat, aber nicht dazu steht.

Take it, change it or leave it!

Genau genommen gibt es für jedes Problem dieser nur drei Arten des Umgangs:
1. Nimm die Situation an!
2. Verändere die Situation!
3. Verlasse die Situation!
Für die WG Situation bedeutet die erste Variante:
Du hast erkannt, dass du nichts ändern kannst oder willst. Du merkst aber auch, dass du selber die Situation ständig befeuerst durch dein inneres „Nein“ und deine negativen Gefühle zu der Situation. Also nehme die Situation an, jammere nicht mehr, streite nicht mehr und mache das Beste daraus. Diese Variante ist in unseren Zeiten sehr unpopulär, weil wir an Veränderung glauben und weil sie scheinbar einen Hauch von Feigheit mit sich trägt. Genau besehen ist das nicht so. Es kann sehr klug und weise sein, sich auf sich zu konzentrieren und dem vermeintlichen Konflikt die Energie zu entziehen, in dem man diese für sich verwendet. Außerdem: Wenn ich so und konsequent eine neue Haltung einnehme, dann müssen alle an der Situation Beteiligten das auch tun.
Zweite Variante: Verändere die Situation, in dem du Konflikte und deine Wünsche klar ansprichst und nach konstruktiven Möglichkeiten der Einigung Ausschau hältst. Dies klappt öfter als gedacht. Die meisten Menschen leben gerne in Harmonie. Wenn du aktiv auf den Konflikt zugehst, hast du damit auch noch den Überraschungsvorteil, den man als mutiger Protagonist hat, der die Initiative ergreift.
Dritte Variante: Du verlässt die Situation, weil dir weder die erste noch die zweite Variante möglich erscheint. Alternativen für die WG folgen im letzten Teil. Eins noch: Viele sagen zu diesen drei Vorschlägen: Habe ich schon probiert, bringt nichts. Genau besehen liegt dann oft das Folgende vor: Drei Tage lebte man nach dem Motto „Take it“, um dann in die Phase „Change it“ zu wechseln und nach drei weiteren Tagen des „Leave it“ wieder zum ersten Motto zurückzukehren und dann immer so weiter. Man muss sich aber schon für eine Variante entscheiden und diese dann kraftvoll und konsequent durchziehen.

Alternativen

Wenn dir eigentlich eine Zweck-WG ganz gut passt, die aktuelle aber für dich anstrengend wird, weil die anderen Mitbewohner viel größere Ansprüche an Nähe und Verbindlichkeit haben, suche dir eine neue WG. Eine Zweck-WG mit Mitbewohnern verschiedener Nationen könnte eine Alternative sein. Hier begegnet man sich mit höflicher Distanz, eventuell in einer fremden Sprache, da ist für alle freundliche Distanz meist ganz akzeptabel. Sollte dann mehr daraus werden, umso schöner.
Wenn dir die Zweck-WG zu unpersönlich ist, dann suche dir eine richtige WG.
Vielleicht hast du auch festgestellt, dass dir wohnen und auch studieren leichter fällt, wenn du viel Zeit alleine verbringst. Dann könnte ein Zimmer in einem Studentenwohnheim oder eine kleine günstige Wohnung (findet man mit etwas Glück auch heute noch) für dich der richtige Rückzugsort sein.