Wartesemester – Wissenswertes und Tipps

Die beliebten Studiengänge, wie zum Beispiel Medizin, Jura und Psychologie, haben sehr hohe Zugangsvoraussetzungen. Es bewerben sich wesentlich mehr Menschen für diese Studienfächer als freie Plätze an den Hochschulen und Universitäten vorhanden sind. Dadurch müssen viele Bewerber mit einer Absage leben. Eine sehr gute Abiturnote ist allerdings nur für rund ein Fünftel der freien Plätze ausschlaggebend. Insgesamt werden 20 Prozent aller Plätze an Bewerber mit einer langen Wartezeit vergeben. Deshalb spielen die Wartesemester im Hinblick auf die erfolgreiche Zulassung zu einem Studienfach eine sehr wichtige Rolle.

Was sind Wartesemester?

 Je länger die Wartezeit, desto höher die Wahrscheinlichkeit für eine Zulassung

Je länger die Wartezeit, desto höher die Wahrscheinlichkeit für eine Zulassung

Hast Du Deine Hochschulzugangsberechtigung (HZB), wie zum Beispiel das Abitur erworben, und beginnst noch nicht direkt mit Deinem Studium, dann beginnt die Wartezeit. Je länger Deine Wartezeit, desto höher werden Deine Chancen auf eine erfolgreiche Zulassung zu Deinem Lieblingsstudiengang. Gerade bei Studienfächern, die einen sehr hohen NC (Numerus clausus) haben, profitierst Du von einer längeren Wartezeit. Die Wartezeit wird nach Halbjahren, den sogenannten Wartesemestern, berechnet. Um die Anrechnung Deiner Wartesemester musst Du Dich zum Glück nicht selbst kümmern. Sobald Du Dich an einer Hochschule oder Universität bewirbst, werden die Wartesemester automatisch berechnet. Die Grundlage für die Berechnung ist das Abiturdatum bzw. das Datum Deiner Hochschulzugangsberechtigung.
Warst Du bereits an einer Hochschule eingeschrieben (immatrikuliert), dann wird diese Zeit leider nicht angerechnet. Deine Studienzeit (Parkstudienzeit) wird automatisch von Deiner Wartezeit abgezogen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du tatsächlich vor Ort warst oder ein Urlaubsemester eingelegt hast. Dies gilt auch nicht nur für die normalen deutschen Hochschulen, sondern auch für die Fernuniversitäten. Hast Du Dich nur an einer Universität oder Fachhochschule beworben und bist nicht angenommen worden, dann spielt dies keine Rolle. Auch wenn Du aufgrund der hohen Zugangsvoraussetzungen keinen Studienplatz erhalten hast und weiter auf diesen wartest, dann werden Deine Wartesemester automatisch angerechnet. Somit musst Du Dich nicht in jedem Semester erneut für Deinen Studiengang bewerben. Du rückst in der „Wartezeitliste“ von alleine nach oben.

So berechnest Du Deine Wartezeit

Bis zu 16 Semester kann man sich anrechnen lassen

Bis zu 16 Semester kann man sich anrechnen lassen

Die Wartezeit, bis Du mit dem Studium beginnen kannst, setzt sich aus allen Wartesemestern zusammen, die seit dem Abitur verstrichen sind. Ein solches Semester dauert genau 6 Monate lang. Leider ist es nicht möglich, das Semester anzurechnen, in dem Du Dein Abitur gemacht hast. Insgesamt können bis zu 16 Semester angerechnet werden. Die gesamte Anzahl an Wartesemester, die Du für einen zulassungsbeschränkten Studiengang benötigst, wird jedes Semester neu berechnet. Sie hängt direkt davon ab, wie viele Bewerber sich für den Studiengang interessieren und welche Abitur Durchschnittsnoten die Bewerber haben.
Ein aktueller NC bietet Dir somit keine zuverlässigen Rückschlüsse auf eine zukünftige Zulassung. Somit gibt es im klassischen Sinne auch keine einsehbare Wartezeitliste auf der Du sehen kannst, welche Position Du im Moment innehast. Dennoch ist eines gewiss: Je mehr Wartesemester Du besitzt, desto weniger Konkurrenten wirst Du haben und ein Studienbeginn rückt immer näher. Es lohnt sich somit für Dich, wenn Du die Wartezeit in Kauf nimmst, um eine Zusage für Deinen Wunschstudiengang zu bekommen. Dennoch solltest Du die Zeit nicht einfach nur sammeln und Deine Füße hochlegen. Die Wartezeit bis zum Studienbeginn kannst bzw. solltest Du auf jeden Fall sinnvoll nutzen.

Tipps um die Wartezeit sinnvoll zu nutzen

Für das Medizinstudium kann ein Praktikum im Krankenhaus nicht schaden

Für das Medizinstudium kann ein Praktikum im Krankenhaus nicht schaden

Deine Wartezeit solltest Du auf keinen Fall einfach verschwenden. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Du die Zeit sinnvoll nutzen kannst. Möchtest Du zum Beispiel Medizin studieren, so bietet sich am besten ein Praktikum in einem Krankenhaus an. Auf diese Art sammelst Du bereits wichtige Erfahrungen in dem Beruf.
Auch wenn Du Dich für eine Ausbildung entscheidest, kannst Du Dir die Zeit als Wartesemester anrechnen lassen. Du profitierst somit gleich doppelt. Zum einen erhöht sich Deine Wartezeit und zum anderen sammelst Du sehr viele Erfahrungen in der Praxis. Die Ausbildung sollte natürlich thematisch zu Deinem späteren Studienfach passen. Die meisten Studenten, die vor ihrem Studium eine passende Ausbildung gemacht haben, vielen die späteren Studieninhalte wesentlich leichter. Des Weiteren hast Du auch einen „Plan B“, falls es mit Deinem Studium nicht klappt. In diesem Fall kannst Du dann einfach in Deinem gelernten Beruf gehen und arbeiten.
Zu den weiteren Möglichkeiten, wie Du Deine Wartezeit sinnvoll nutzen kannst, zählen ein Auslandsstudium oder die Berufsakademie. Entscheidest Du Dich für eine der beiden Optionen, dann solltest Du Dich zur Sicherheit an die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH) wenden. Lass Dir von der SfH schriftlich versichern, dass die Zeit an der ausländischen Hochschule oder an der Berufsakademie auch tatsächlich als Wartesemester gilt.

Das Parkstudium bietet Vor- und Nachteile

Ein Parkstudium ist eine weitere Alternative für die Zeit des Wartens. Du schreibst Dich an einer Hochschule ein, legst allerdings keinerlei Prüfungen ab. Du kannst Dich über die studentische Krankenkasse versichern lassen und erhältst alle Vergünstigungen, die Studenten erhalten. Zu diesen gehören unter anderem Rabatte in Kinos, Museen und Restaurants. Zudem erhältst Du auch weiterhin Kindergeld. Im Rahmen des Parkstudiums lernst Du das Studentenleben mit all seinen Facetten kennen. Da Du sowieso keine Prüfungen schreibst, musst Du Dir auch um schlechte Noten keine Gedanken machen. Das Parkstudium ist besonders von Vorteil, wenn Du dadurch später in Deinem Wunschstudiengang direkt in ein höheres Fachsemester einsteigen kannst. Der größte Nachteil beim Parkstudium: Es wirkt sich nicht positiv auf Deine Wartezeit aus.

Die Zeit des Wartens wird belohnt

Viele Studienplätze in Deutschland werden an Bewerber mit langen Wartezeiten vergeben. Durch das Wartesemester hast Du auch mit schlechteren Noten die Chance auf einen Studiengang mit einem hohen NC. Sobald Du Deine Hochschulzugangsberechtigung erhalten hast, beginnt die Anrechnung. Nutze die Zeit des Wartens aber auf jeden Fall für sinnvolle Aktivitäten. Mach ein Praktikum, eine Ausbildung oder verdiene etwas Geld. Ein Studium in Deutschland ist recht teuer.

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