Lernen lernen – mit Tipps vom Experten

Rechtzeitig zum endlich guten Wetter geht sie wie jedes Sommersemester wieder los: Die Prüfungszeit. Während einem der Sinn also eher nach Schwimmen im See und Eis essen im nächsten Cafe stehen würde, heißt es für viele Studenten statt dessen: Lernen was das Zeug hält. So manch ein Student – und das betrifft durchaus auch einige in fortgeschrittenen Semestern – geht aber leider überaus planlos an den bevorstehenden Lernprozess heran. Dabei lässt sich mit der richtigen Strategie nicht nur Zeit sparen, sondern auch erreichen, dass man das Gelernte auch wirklich im Kopf behält. Im folgenden Artikel haben wir daher Tipps von dem Münchner Pädagogik-Professor Frank Fischer zusammengestellt, die euch helfen sollen, euch dieses Semester optimal auf Prüfungen vorzubereiten. Lernen lernen – wie geht das?

Der wichtigste Grundsatz: Auf vorhandenem aufbauen

Das menschliche Gehirn ist sehr stark vernetzt. Ein logischer Schluss hieraus ist es, dass man neue Informationen nur gut aufnehmen kann, wenn man mit ihnen an bereits vorhandenes Wissen anknüpfen und damit gleich eine Verbindung zum bisherigen Wissen herstellen kann. Der erste Schritt um Neues zu lernen ist also, sich in Erinnerung zu rufen was man zu dem Thema denn alles schon weiß. Praktisch, denn so kann das Gelernte auch gleich in einen großen Kontext gesetzt werden. Das Studium kommt dieser Eigenschaft des Gehirns glücklicherweise auch auf eine gewisse Art entgegen: Oft baut eine Vorlesung aufeinander auf oder verschiedene Vorlesungen in aufeinander folgenden Semestern gehen „Vom Allgemeinen zum Speziellen“.

Irrtümer über klassische Lernmethoden

Fast jeder Student verbringt viel Zeit damit: Diverse Textstellen mit Textmarkern anzustreichen. Es herrscht der Glaube, dass dies bereits die halbe Miete sei, und man insbesondere so den Fokus schon einmal auf das Wichtigste lenkt und unnötiges – durch nicht-anmarkern – ausschließt. Und genau da liegt, nach Professor Fischer, auch schon das Problem. Die wenigsten Studenten wissen , vor allem zu Beginn des Studiums wirklich, was denn das „Wichtigste“ ist. Eine Möglichkeit ist allerdings, gezielt nur einen einzigen Satz pro Seite zu markieren. So wird von Vornherein verhindert, dass die halbe Seite gelb, rot oder grün angemalt ist. Dasselbe Problem – unwichtiges von Wichtigem zu trennen – gilt im Übrigen für Zusammenfassungen. Hier rät der Experte dazu, die Zusammenfassung immer weiter zu kürzen, bis irgendwann wirklich nur noch wichtige Aspekte enthalten sind.

Was hilft beim Lernen wirklich?

Sinnvoll ist es, Texte schon beim Lesen zu hinterfragen und sich immer wieder die berühmte „Warum“-Frage zu stellen. Dabei wird nämlich zuvor benanntes Vorwissen aktiviert und der Text zieht nicht einfach so an einem vorbei. Ein wichtiger Faktor ist auch die Zeit. Denn Lernen benötigt viel Zeit, insbesondere, wenn man sich das Wissen langfristig aneignen möchte. Hin und wieder sollte auch in den stressigsten Phasen ein Tag Pause eingelegt werden, um das Gelernte setzen zu lassen. Eine Lernstrategie ist es auch, sich selbst mögliche Fragen auszudenken und eigene Klausuren zu entwerfen.

Wie motiviert man sich am besten?

Marco2811_Fotolia_76273837_XS.jpgNach Professor Fischers Lieblingstheorie müssen drei grundsätzliche Bedingungen erfüllt sein, damit Motivation entsteht. Zunächst ist es wichtig sich selbst in dem was man tut als kompetent zu erleben. Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, dass man das Gefühl hat, in dem womit man sich beschäftigt selbstbestimmt zu sein. Und schließlich ist es auch wichtig, sich als sozial eingebunden zu erleben. Trotz des ganzen Lernstresses sollte man sich also nicht wochenlang mit seinen Büchern im einsamen Kämmerchen verkriechen – sondern zum Beispiel als Belohnung mit seiner Lerngruppe abends essen gehen oder sich mit Freunden zum Kino treffen.

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Neues Semester mit guten Vorsätzen –welche machen wirklich Sinn?

Wenn das neue Semester anfängt, gehen viele Studenten mit guten Vorsätzen in das kommende Studienhalbjahr. Sie wollen die eigene Arbeits- und Lernmoral des vergangenen halben Jahres zum Besseren verändern und damit natürlich auch bessere Ergebnisse erzielen – und zwar sowohl, was die Noten angeht, als auch, was den tatsächlichen Lernerfolg angeht, der ja notwendig ist, um darauf Aufbauendes zu begreifen.

Was sind typische Vorsätze für den Semesterstart?

Viele Studenten nehmen sich zu Semesterbeginn ziemlich allumfassend vor, ihre ganze Studienhaltung zu verändern. Dies bedeutet dann, immer zu allen Seminaren, Vorlesungen, Übungsgruppen usw. zu gehen, die wöchentlichen Übungsaufgaben gewissenhaft zu machen, anstehende Projekte (Experimente, Praktika, Hausarbeiten oder das Lernen für zentrale Prüfungen) einzuplanen und früh genug zu beginnen. Außerdem steht häufig im Vordergrund, die „Freizeit“ wie das Treffen mit Studienkollegen und Freunden (Feiern gehen) zu reduzieren. Gerade in Bundesländern, in denen Studiengebühren und hohe Semesterbeiträge Studenten finanziell stark belasten, lässt sich auch häufig der Vorsatz treffen, neben dem Studium her einem Job nachzugehen und sich auf diese Art und Weise selbst über Wasser halten zu können.

Probleme mit der Umsetzung guter Vorsätze

Gute Vorsätze sind eigentlich positiv zu bewerten, da sie bedeuten, dass jemand sich Ziele steckt und etwas besser machen will. Wenn die Vorsätze allerdings allzu sehr von dem abweichen, was bisher gelebt wurde, sind sie kaum durchzuhalten. Wer beispielsweise in den vorherigen Semestern nie an Übungsgruppen teilgenommen oder die Übungsaufgaben gemacht hat, der braucht eine eiserne Disziplin, um den guten Vorsatz länger als einige Wochen in die Tat umzusetzen. Insgesamt lässt sich sagen, dass das Brechen unrealistischer Vorsätze zu einer Enttäuschung und vielleicht sogar zu einem Alles-Egal-Gefühl führen kann – und wenn das einmal erlebt wurde, wird es Studenten doppelt schwer fallen, für das nächste Semester gute Vorsätze in die Tat umzusetzen.

Realistische Vorsätze für das neue Semester

Veränderungen brauchen neben einem starken Willen Zeit und Geduld. Wer also im nächsten Halbjahr eifriger lernen und seine Freizeitaktivitäten dafür zurückschrauben möchte, tut gut daran, sich kleine Ziele zu stecken, die erreichbar sind. Ein kleiner Anfang wäre beispielsweise die Einrichtung einer festen Lernzeit an einigen Abenden in der Woche oder der Vorsatz, sich an einigen Wochentagen erst dann mit Freunden zu treffen, wenn die Übungsaufgaben bearbeitet sind. Dadurch, dass keine vollständige Einschränkung da ist (schließlich kann man die Freunde ja noch treffen, nur eben nicht mehr jeden Abend), lässt sich der gute Vorsatz viel besser umsetzen. Übrigens: Wer gute Vorsätze einhält, fühlt sich auch gut und kann stolz auf seine Disziplin sein. Außerdem hat er durch das Einhalten der Vorsätze Vorteile – eben den verbesserten Lernerfolg, der durchaus auch mit wesentlich besseren Noten einhergehen kann. Und haben sich einmal beispielsweise feste Lernabende im Zeitablauf etabliert, ist es ganz natürlich, diese Abende nicht mehr zu verplanen, sondern weiterhin zu lernen – und damit den Erfolg auch in die nächsten Studienjahre zu übertragen.

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Lernen im Studium

Erstsemester gehen häufig hochmotiviert an ihre neue Herausforderung an der Hochschule heran, denn in der Schule hatten sie es auch immer leicht und mussten für ihre guten Noten nicht viel tun. An der Hochschule bemerken sie allerdings schnell, dass von ihnen ganz andere Dinge gefordert sind – und dass sie auf einmal sehr wohl lernen müssen. Um die neue Herausforderung vom lernen im Studium zu bewältigen, können sich Lerntipps speziell fürs Studium als sehr sinnvoll erweisen, um zu lernen, wie man lernt, oder mit dem neuen Hochschulniveau überhaupt zurechtzukommen.

Die Hochschule ist anders

Gehörst du zu den Schülern, die zu Schulzeiten so gut wie nie lernen mussten und trotzdem gute Noten geschrieben haben? Oder bist du der lernerfahrene Typ, der denkt, die Hochschule könne methodisch auch nicht so viel anders sein als die Schule? Ganz gleich, wie dein bisheriges Lernverhalten aussah – an der Hochschule wird alles anders. Hier wird wissenschaftlich gearbeitet und das ist etwas, woran du dich erst gewöhnen musst. Zunächst geht es an der Hochschule darum, die Methoden zu erlernen, mit denen du anschließend arbeitest. Dann gilt es in den höheren Semestern, diese anzuwenden und zu lernen, wie man forscht, eigene Erkenntnisse gewinnt und die Erkenntnisse und Theorien anderer Forscher bewertet. Die Hochschule erfordert selbst von den talentiertesten Studenten, eigenständig zu lernen – schon alleine deswegen, da nicht alle Inhalte im Rahmen der Vorlesungen thematisiert werden und vorausgesetzt wird, dass du sie dir alleine erarbeitest oder dir im Rahmen deiner Arbeit diejenigen Kenntnisse selbst heraussuchst, die du brauchst.

Eigenständigkeit – das A und O an der Hochschule

Das wichtigste Stichwort, um an der Hochschule gut zu bestehen, heißt Eigenständigkeit. Von Studierenden wird erwartet, dass sie sich selbständig um die Felder kümmern, in denen sie etwas tun müssen. Natürlich werden sie durch Vorlesungen, Seminare und Arbeitsgruppen seitens der Hochschule begleitet und erhalten Hilfe, wenn sie sie brauchen – beispielsweise in Form eines Mentors, der sie bei der Erstellung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten unterstützt. Vertiefende Inhalte, Nacharbeit oder ähnliche Herausforderungen müssen Studierende jedoch alleine bewältigen und müssen dazu in der Lage sein, sich all das selbst zu erarbeiten. Ob sie dabei wirklich alleine bleiben oder sich in eine Lerngruppe integrieren und sich mit anderen zusammentun, das bleibt ganz ihnen überlassen. Gerade für diese Arbeiten sind Lerntipps echte Lebensretter.