Jura studieren – Wissenswertes und Tipps

Um an Universitäten Jura studieren zu können, benötigst du die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife. Du solltest Freude an der Arbeit mit Menschen und einen Sinn für politische und wirtschaftliche Zusammenhänge in der Gesellschaft haben. Logisches und abstraktes Denkvermögen wird beim Studium ebenso erwartet wie die Fähigkeit, sich mündlich und schriftlich gut ausdrücken zu können. Auch Fremdsprachenkenntnisse sind in zunehmendem Maße erwünscht. Jura ist eine der Studienrichtungen mit dem höchsten Fleißaufwand, da es nicht nur um das Auswendiglernen von Paragraphen geht, sondern diese auch in praktischer Anwendung ausgelegt werden müssen. Daher hat sich die Anzahl der Studenten meist nach der ersten Zwischenprüfung um ein Drittel verringert, weil die erforderlichen Leistungen nicht erbracht wurden oder sich zeigt, dass nicht jeder in der Lage ist, Gesetzestexte auf praktische Fälle zu übertragen.

Der Studienablauf

Das Jura Studium dauert 9 Semester und es sind das Grund- und Hauptstudium, sowie die Examensvorbereitung zu absolvieren

Das Jura Studium dauert 9 Semester und es sind das Grund- und Hauptstudium, sowie die Examensvorbereitung zu absolvieren

Das Studium beginnt jeweils mit dem Sommer- oder Wintersemester und umfasst 9 Semester. Jura studieren bedeutet, das Grundstudium, das Hauptstudium und die Examensvorbereitung zu absolvieren. Das Grundstudium führt dich in die Welt der Rechtswissenschaften ein und umfasst maximal 4 Semester. Vorlesungen wechseln mit Übungsstunden, in denen dir die vermittelte Theorie praktisch zugänglich gemacht wird. Das Rechtssystem wird aufgeteilt in Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht, die sich in viele Einzelbereiche untergliedern. Durch Hausarbeiten und Klausuren erwirbst du die sogenannten kleinen Scheine.

Nach dem Grundstudium entscheidet eine Zwischenprüfung über deinen Verbleib an der Universität. An einigen Unis werden die kleinen Scheine als Prüfung anerkannt. Das anschließende Hauptstudium vertieft das Grundstudium und beinhaltet während des 5. und 6. Semsters ein sogenanntes Schwerpunktbereichstudium. Dabei sind beispielsweise das Deutsche und Europäische Wirtschaftsrecht, Internationales Recht oder Kriminalwissenschaften wählbar. Klausuren und Hausarbeiten bringen dir dabei die großen Scheine. Das Hauptstudium endet mit dem Schreiben einer Hausarbeit, die du in deiner vorlesungsfreien Zeit ausarbeitest. Anschließend beginnt die Phase der Examensvorbereitung, zu denen du Repetitorien besuchen kannst. Hier wird prüfungsrelevantes Wissen in konzentrierter Form behandelt, um dich auf das 1. Staatsexamen vorzubereiten.

Jura studieren: Das Referendariat

Das Referendariat wird in einem Oberlandesgericht durchgeführt.

Das Referendariat wird in einem Oberlandesgericht durchgeführt.

Hast du das erste Staatsexamen bestanden, folgt das zweijährige Referendariat, das in einem bundesdeutschen Oberlandesgerichtsbezirk absolviert wird. Wie sich dieses gestaltet, ist in den einzelnen Bundesländern verschieden. Da du dich an jedem Oberlandesgericht bewerben kannst, sind im Vorfeld Informationen wichtig, um einen für dich passenden Platz zu bekommen. Die Vergabe erfolgt nach unterschiedlichen Kriterien. Dabei werden der Wohnsitz, Familie, Alter, soziale Gründe und auch Qualifikationen berücksichtigt. Einige Oberlandesgerichte bieten jährlich bis zu vier Einstiegstermine in das Referendariat, andere nehmen nur zweimal jährlich Bewerber an. Die Bewerbungsfristen sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt, in der Regel sollten die Unterlagen mindestens zwei Monate vor Referendariatsbeginn eingereicht sein.

Nach dem Studium

Mit Abschluss des zweiten Staatsexamens kannst du in der Berufswelt tätig werden. Auch hier gilt – je besser der Prüfungsdurchschnitt, desto höher die mögliche Position. Die klassischen Berufe als Rechtsanwalt, Staatsanwalt oder eine Anstellung im höheren Verwaltungsdienst sind aber nicht die einzigen Möglichkeiten. Als Absolvent kannst du Anstellungen im Wissenschaftsbetrieb, Bildungswesen, als Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Mediator, Unternehmensberater oder im diplomatischen Dienst erhalten. Es gibt auch die Möglichkeit, Rechtswissenschaften mit einem Masterabschluss zu studieren, allerdings braucht es hier weitere Aufbaustudiengänge. In der Wirtschaft werden häufig Volljuristen mit Uniabschluss bevorzugt, da ein fachrelevanter Gleichstand mit einem Masterabschluss nicht zu erreichen ist.

Praktika im Studium

Das Praktikum kann beispielsweise bei einem Notar absolviert werden.

Das Praktikum kann beispielsweise bei einem Notar absolviert werden.

Während des Jurastudiums muss du Praktika mit einem Gesamtzeitraum von mindestens drei Monaten absolvieren, die in den vorlesungsfreien Zeiten erfolgen. Dabei bekommst du einen praktischen Einblick, ob du dich in diesem Berufsfeld wirklich zu Hause fühlen kannst. Es sind unterschiedliche Bereiche zu durchlaufen, beispielsweise an Gerichten, Verwaltungsbehörden, bei Anwälten oder Notaren. Wann diese Praktika stattfinden, ist individuell geregelt. Einige Universitäten empfehlen den Grundstudienzeitraum, andere bestehen auf einem späteren Zeitpunkt, damit genügend Basiswissen vorhanden ist, um von der praktischen Arbeit profitieren zu können. Gibt es keine Festlegungen, kannst du selbst über den Zeitraum entscheiden. Allerdings müssen die Pflichtpraktika bis zur Anmeldung der ersten Staatsprüfung absolviert sein, da sie Voraussetzung für die Prüfung sind. Neben den praktischen Pflichtzeiten solltest du weitere Praktika auf freiwilliger Basis in Betracht ziehen. Nicht nur für deine Unterlagen – je mehr Praxis du erlebst, desto klarer kannst du einschätzen, ob Jura studieren dir wirklich liegt. Du wirst viele Jahre dieser Tätigkeit nachgehen, daher sollte dir das Themenfeld gefallen und Spaß machen.

Beliebte Unis und der NC

Auch an kleinen Universitäten wie Passau kann man Jura studieren.

Auch an kleinen Universitäten wie Passau kann man Jura studieren.

Der Numerus Clausus steht für eine beschränkte Aufnahmekapazität. Gerade an beliebten Universitäten wollen jedes Jahr mehr Bewerber Jura studieren, als Studienplätze vorhanden sind. Daher kommt es zum Auswahlverfahren. Salopp ausgedrückt bezeichnet man den NC-Wert als den minimalen Abiturdurchschnitt, den es zur Zulassung braucht. Dieser Wert resultiert aus der Anzahl der verfügbaren Studienplätze, denen die leistungsstärksten Bewerber zugeteilt werden. Der NC gibt dann ungefähr an, mit welchem Zensurendurchschnitt der letzte freie Platz vergeben wurde. Es muss dabei aber auch berücksichtigt werden, dass prozentual auch Bewerber mit Wartesemestern aufgenommen werden. Diese Gruppe kann bei einem ganz anderen Leistungsdurchschnitt liegen, was in den NC mit einfließt. Es gibt auch viele Unis, die keine Aufnahmebeschränkung haben, was dazu führt, dass Hörsäle aus den Nähten platzen können.
Es müssen auch nicht immer Großstädte wie München, Münster, Bonn oder Köln sein, die zwar die meisten Bewerber haben und im Universitätsranking vordere Plätze einnehmen. Auch kleinere Unis wie beispielsweise in Passau haben ihre Qualitäten. Passau bietet mit geringeren Studentenzahlen nicht nur ein familiäreres Klima, sondern beispielsweise ein Auslandsstudienjahr in Frankreich, dass mit einem Erasmus-Stipendium finanziert werden kann. So erweiterst du nicht nur deine Sprachkenntnisse und lernst multikulturelles Leben kennen, sondern erhältst außerdem Einblick in das französische Rechtssystem.

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