ERASMUS Programm – Dein Weg zum Auslandssemester

Wer darüber nachdenkt, später einmal im Ausland zu arbeiten, sollte bereits während des Studiums erste Auslandserfahrungen sammeln. Auch deutsche Unternehmen verlangen darüber hinaus oftmals fundierte Sprachkenntnisse und stellen gerne Bewerber ein, die zu nicht-touristischen Zwecken für einen längeren Zeitraum im Ausland verweilten. Denn erstens arbeiten viele Konzerne international und außerdem zeigt der Bewerber so seine Weltoffenheit, Vorurteilsfreiheit und kann zudem damit punkten, dass er sein Leben in einer fremden Kultur selber organisiert hat. Natürlich ist ein Auslandsaufenthalt aber gerade als Student nicht einfach zu finanzieren. Neben Auslands-BAföG hilft hier jedoch das ERASMUS Programm der Europäischen Union, durch welches die Mobilität von Studierenden gefördert werden soll.

Was ist das ERASMUS-Programm?

Am 15. Juni 1987 durch den Rat der Europäischen Union gegründet, unterstützt das Programm „ERASMUS“ seitdem zahlreiche europäische Studierende dabei, eine ausländische Hochschule für ein oder zwei Semester kennenzulernen und dort zu studieren oder in einem ausländischen Betrieb ein Praktikum zu absolvieren. Im Rahmen dessen wird ein Stipendium ausgeschüttet, welches jedoch kein Vollstipendium ist, sondern eher ein Mobilitätszuschuss.

Seit dem 1. Januar 2014 gehört das ERASMUS-Programm zu „Erasmus+“. Diese Initiative vereint alle Programme der Europäischen Union zur allgemeinen und beruflichen Bildung, Jugend und Sport. Dazu gehören beispielsweise auch Projekte in den Bereichen Schulbildung (Comenius), Jugend (JUGEND IN AKTION) oder berufliche Aus- und Weiterbildung (Leonardo da Vinci).

Wichtige Ziele des Förderprogrammes

– Förderung der Mobilität der Studierenden. Damit diese ihren Auslandsaufenthalt ohne große finanzielle Hürden absolvieren können, wird dieser mit einem Mobilitätszuschuss von 150 bis 250 Euro im Monat bezuschusst. Zudem entfallen die Studiengebühren an der jeweiligen Partneruni sowie an der heimischen Hochschule.
Uneingeschränkter Zugang zum Europäischen Hochschulraum
Kooperation zwischen verschiedenen Instituten
Anerkennung und Koordination von ausländischen und nationalen Studienabschlüssen
– Förderung des interkulturellen Dialoges
– Verbesserung von Kompetenzen und Fähigkeiten der Studierenden, um auf dem internationalen Arbeitsmarkt zu bestehen
– Förderung der europäischen Werte aus Art. 2 EUV wie Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit oder Demokratie

Tipp: Du hast trotz des Zuschusses die Möglichkeit, Auslands-BAföG zu beantragen. Solltest Du diese Förderung bereits in Deutschland erhalten, ist es normalerweise kein Problem, dass der jeweilige Betrag bzw. sogar ein höherer Betrag im Ausland weitergezahlt wird. Achte jedoch darauf, dass für Auslands-BAföG andere Behörden zuständig sind.

Wer kann an dem Programm teilnehmen?

Grafik Hallo in vielen Sprachen

Vorallem gute Englisch-Kenntnisse sind für ein Auslandssemester wichtig. Andere Sprachen reichen auf Schul-Niveau.

Teilnehmen können regulär eingeschriebene Studierende einer EU-Hochschule (mit dem Ziel Bachelor, Master, Doktorat oder vergleichbaren Abschlüssen), die die EU-Bürgerschaft besitzen, sowie Hochschulpersonal. Außerdem muss die jeweilige deutsche Hochschule im Rahmen eines bilateralen Abkommens eine Partnerschaft mit einer ausländischen Uni vereinbart haben.

Informiere dich an deiner jeweiligen Fakultät, über die Möglichkeit, am ERASMUS Programm teilzunehmen. Üblicherweise pflegen die Fakultäten aller großen Studiengänge wie Rechtswissenschaften, Medizin, BWL SoWi oder Sprachwissenschaften Partnerschaften mit ausländischen Universitäten. Bei deinem zuständigen ERASMUS-Koordinator bzw. auf dessen Homepage erfährst Du dann, welche Partnerunis für dich in Frage kommen und welche Voraussetzungen Du erfüllen musst. Hier kommt es zum Beispiel auf deinen Notendurchschnitt nach dem Grundstudium an. Des Weiteren solltest Du über gewisse fremdsprachige Fähigkeiten verfügen, allerdings ist die Hürde hier nur im Falle von Englisch-Sprachkenntnissen hoch. Möchtest Du etwa nach Spanien oder Frankreich reisen, so genügt es zumeist, wenn Du diese Sprachen in der Schule gelernt hast. Wird die Sprache deines Wahllandes üblicherweise nicht an deutschen Schulen unterrichtet, reicht es außerdem, wenn Du über gutes Englisch sprichst.

Tipp: Konzentriere dich nicht auf lediglich eine ausländische Uni, an der Du unbedingt studieren möchtest, denn so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein anderer Studierender mit besseren Noten dir zuvorkommt. Du hast vielmehr die Möglichkeit, bei deiner Bewerbung mehrere Unis anzugeben. Bereite des Weiteren schon mal einen tabellarischen Lebenslauf vor und verfasse ein kurzes Bewerbungsschreiben. Denke außerdem daran, dass Du nach deinem Auslandsaufenthalt einen Erfahrungsbericht verfassen musst.

Welche Vorteile bietet das Programm oder ist es einfach ein gute Ausrede, Urlaub zu machen?

Vielfach wird behauptet, dass das ERASMUS Programm von Studierenden nur dazu genutzt wird, bezahlten Urlaub zu machen und Partys zu feiern. Richtig ist, dass beispielsweise das ESN (Erasmus Student Network) zahlreiche Feten für ERASMUS-Studenten anbietet und Du mit vielen anderen (ausländischen) Studenten in Kontakt kommen wirst, die ihren Auslandsaufenthalt in vollen Zügen genießen möchten. Trotzdem musst Du Kurse besuchen und auch Prüfungen bestehen, um deine Förderung nicht zu verlieren. Kannst Du am Ende deines Aufenthaltes keine bestandenen Kurse vorweisen, so musst Du das Fördergeld zurückzahlen.

Tipp: Informiere dich frühzeitig, welche Leistungen Du an der Partneruni erbringen musst und welche Kurse auch wirklich anerkannt werden. Oftmals ist es in nicht-englischsprachigen Ländern nicht so einfach, die Prüfungen überhaupt oder mit guten Noten zu bestehen. Hierüber solltest Du dir jedoch keine Sorgen machen, denn zunächst musst Du später keinen bestimmten Notendurchschnitt vorweisen. Außerdem sind die Professoren der ausländischen Unis zumeist sehr wohlwollend gegenüber ERASMUS-Studenten. Vielfach wird hier daher statt eines Examens eine schriftliche Arbeit als Abschlussprüfung angeboten, die dann in aller Ruhe zuhause abgearbeitet werden kann. Dass ein ERASMUS-Aufenthalt nur ein bezahlter Urlaub ist, stimmt also nicht, denn Du musst auf jeden Fall für die Prüfungen lernen und es wird dir nichts geschenkt. Allerdings besteht kein Druck, gute Noten zu schreiben, und das Bestehen der Examina ist keine allzu hohe Hürde.

Das ERASMUS-Programm ist also kein bloßes Vergnügen. Es ist aber trotzdem eine tolle Erfahrung, denn zunächst lernst Du viele junge Menschen verschiedenster Nationalitäten kennen und kannst dich mit ihnen austauschen. Außerdem wirst Du erwachsener, denn Du musst deinen Alltag in einer völlig fremden Stadt organisieren, dir eine Wohnung suchen und dein Geld gut verwalten. Ferner lernst Du die Lehrmethoden der Partneruni sowie möglicherweise fremde Sichtweisen auf ein Problem, welches an deiner deutsche Universität ganz anders gelöst wird. Darüber hinaus ist ERASMUS vielen Arbeitgebern ein Begriff, so dass sich der Aufenthalt sicherlich gut in deinem CV machen wird. Viele Firmen verlangen zudem gute Sprachkenntnisse und Auslandserfahrungen, welche Du durch das ERASMUS-Programm dann aufweisen kannst.

Bildquellen:
Bild 1: © Pixabay.com / Hans
Bild 2: © Pixabay.com / Maialisa

Austauschprogramme für Akademiker

Erasmus von Rotterdam war ein bedeutender Humanist des Mittelalters und trug maßgeblich zur Entwicklung der Geisteswelt des Abendlandes bei. Jedoch war es nicht nur die Weltgewandtheit und Universalität des Theologen, Philosophen und Philologen, die ihn als Namensvater des europäischen Austauschprogrammes für Studierende auszeichnete. ERASMUS steht darüber hinaus für EuRopean Action Scheme for the Mobility of University Students und ist als Institution der europäischen Union damit beauftragt, den interkulturellen Austausch auf akademischen Niveau zu fördern.

ERASMUS: Viele Länder sind an Austauschprogrammen beteiligt

Auch wenn das Erasmus-Programm im Jahre 1987 durch den Ministerrat der Europäischen Union initiiert wurde, unterliegt die Verwaltung dem nationalstaatlichen Kompetenzbereich der beteiligten Länder. Folglich sind alle Mitgliedsstaaten der EU Teil des akademischen Austauschprogrammes, aber auch die Türkei, Norwegen, Irland, Lichtenstein, Kroatien und die Schweiz sind aktiv darin involviert. In Deutschland erfolgt die administrative Implementierung des Erasmus-Programmes durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), welcher im Jahre 1925 durch eine private studentische Initiative ins Leben gerufen wurde und seit dem Jahre 1950 als Gemeinschaftsprojekt der deutschen Hochschulen und ihrer Studierendenschaften fungiert.

Die DAAD

Das Erasmus-Programm ist als Austauschprogramm ein Teil des EU-Programmes für lebenslanges Lernen und umfasst gesetzliche Regelungen sowie die Bereitstellung eines finanziellen Budgets von circa 450 Millionen Euro, die Verwaltung erfolgt jedoch über den Deutschen Akademischen Austauschdienst. Der DAAD ist somit der Dachverband für die Förderung der internationalen Zusammenarbeit im Hochschulwesen und wird lediglich im Hinblick auf Europa unter der Bezeichnung ERASMUS repräsentiert. Der wesentliche Unterschied für die Zuständigkeit der unterschiedlichen Austauschprogramme liegt demnach zunächst in der Wahl des Partnerlandes. Jedoch bietet der DAAD auch Alternativen an, welche ihren Fokus auf Praktika, Ausbildungs- und Forschungsprogramme sowie Stellen für Doktoranden richten.

ERASMUS: Möglichkeiten für jeden Studenten

Erasmus written in the sand on the beach

Bei der Bewerbung um einen Platz an einer ausländischen Bildungseinrichtung kommst du demzufolge niemals an dem DAAD vorbei, da dieser als primäre Vermittlungsbehörde agiert. In erster Linie solltest du dir sicher sein, welches Land du wählst und wie du dir deine akademische Weiterentwicklung vorstellst. Der klassische Fall ist die Entscheidung für ein ERASMUS-Jahr/Semester, welches dir für ein Jahr bzw. sechs Monate einen Studienplatz an einer Hochschule im europäischen Ausland vermittelt. Selbstverständlich ist die Gewährung dieses interkulturellen Aufenthaltes an gewisse Konditionen gebunden, da es sich streng genommen um ein Stipendium handelt. Wesentliches Augenmerk für die Akkreditierung deiner Bewerbung sind demzufolge die erzielten Noten, die absolvierten Creditpoints sowie die Fähigkeit dem Lehrinhalt der Partneruniversität adäquat folgen zu können. Je nachdem für welche Hochschule und welches Land du dich entscheidest, solltest du eine Zertifizierung deiner sprachlichen Kompetenzen einreichen.

Ein Jahr im Ausland – Erfahrungen fürs Leben

Das ERASMUS-Programm ist jedoch nicht als rigides Verwaltungsmonstrum gedacht, sondern zielt vielmehr darauf ab, möglichst vielen Studierenden die Möglichkeit anzubieten, ihr Humankapital im Ausland reifen zu lassen. Die spezifischen Anforderungen der Bewerbungsprozedur stellen lediglich sicher, dass der Bewerber seinen Auslandsaufenthalt als eine positive und aufregende Erfahrung wahrnehmen kann. In deiner Bewerbung solltest du demnach nicht auf einen ausführlichen Lebenslauf verzichten, indem du aufzeigst, dass du die Selbstständigkeit und Lebenserfahrung besitzt, um effizient und beflissen am akademischen Betrieb sowie am kulturellen Leben des Auslands teilhaben zu können.

Bildquellen:

© Dirima / Fotolia.com
© joserpizarro / Fotolia.com