Alle Infos zur Studienplatzklage

Begehrte Studiengänge wie Medizin haben hohe Zulassungsbeschränkungen. Viele Abiturienten scheitern an dieser Hürde und müssen ihr Traumstudium abhaken – nicht so voreilig. Du musst dich keine 14 Wartesemester gedulden, bis dein Studium endlich beginnt. Mit einer Studienplatzklage kannst du dein Wunschstudium schneller antreten.

Studienplatzklage: Voraussetzungen

Mit der Studienplatzklage möchte man verdeckte Studienplätze aufdecken.

Mit der Studienplatzklage möchte man verdeckte Studienplätze aufdecken.

Leider ist es nicht ganz so einfach: Die Studienplatzklage ist ein juristisches Verfahren, das verdeckte Studienplätze aufdecken möchte. Damit soll der Kläger den sofortigen Zugang zum Studium erhalten. Ob Bachelor, Master oder Staatsexamen, du kannst dich in jedes Fachgebiet „einklagen“. Natürlich ist solch eine Klage mit Kosten verbunden, die teilweise auch bei Nichterfolg bezahlt werden müssen. „Die Studienplatzklage ist keine 100 Prozent Erfolgsformel.“
Der Numerus clausus (NC) ist bei diesem Verfahren irrelevant, dafür musst du mit anderen Bewerbern konkurrieren. Denn die Studienplatzklage geht davon aus, dass freie Plätze vorhanden sind. Gibt es eine Vielzahl von Klägern, kann es sein, dass die wenigen Studienplätze verlost werden. So kannst du am Ende völlig leer ausgehen, trotz erfolgreichem Verfahren.
Deine Bewerbung darf keine Formfehler enthalten. Sie muss pünktlich und vollständig bei der zuständigen Stelle eingetroffen sein. Sonst musst du es im nächsten Semester nochmals versuchen. Eine korrekte Bewerbung ist eine wichtige Voraussetzung für das Klageverfahren.
Tipp: Du hast eine Zulassung erhalten, nur nicht am gewünschten Ort. Eine Klage kann zum Erfolg führen. Sie hat nur dann geringe Chancen, wenn es sich um einen über hochschulstart.de vergebenen Studienplatz handelt. Versuche es lieber mit einem Studienplatztausch.
Ein Verfahren gegen hochschulstart.de hat kaum Aussichten auf Erfolg. Zahlreiche Gerichtsentscheide zu Ungunsten des Klägers sprechen eine deutliche Sprache. Du musst diese Plattform umgehen: Beantrage direkt bei der Hochschule einen „außerkapazitären Hochschulantrag„. In der Regel schickt die Institution eine Ablehnung zurück, die du juristisch anfechten kannst. Bei diesem Verfahren sind einige Formalia zu beachten, weshalb ein Rechtsanwalt zu empfehlen ist.

Ablauf und Fristen

Für die Studienplatzklage ist ein Rechtsanwalt zu empfehlen.

Für die Studienplatzklage ist ein Rechtsanwalt zu empfehlen.

Eine Hochschule muss begründen, warum sie keine Studienplätze zur Verfügung stellt. Dabei werden gesetzliche Vorschriften herangezogen, um die Kapazitäten zu berechnen. Kann dieser Nachweis nicht erbracht werden, stehen deine Chancen gut. Häufig kommt es vor, dass Plätze nach dem Nachrückverfahren offen bleiben. Die Hochschule hat darauf verzichtet, die freien Studienplätze neu zu besetzen, was dir zu Gute kommt.

Bevor du einen Anwalt konsultierst, solltest du mit der Studierendenvertretung in Kontakt treten. Sie hilft dir bei allen Fragen weiter und gibt dir Tipps zu guten Rechtsanwälten. Zudem erfährst du direkt aus erster Quelle, wie erfolgreich vergangene Studienplatzklagen gelaufen sind. Lass möglichst wenig Zeit verstreichen, bis du die Dinge in die Hand nimmst. Unter Umständen musst du bereits ein halbes Jahr vor Semesterstart tätig werden.

Beim außerkapazitären Hochschulantrag gelten strenge Fristen:

– Baden-Württemberg 15. Juli
– Berlin 1. Oktober
– Bremen 15. September
– Hessen 1. Juli
– Mecklenburg-Vorpommern 15. Juli
– Niedersachsen 15. Oktober
– Nordrhein-Westfalen 1. Oktober
– Saarland 15. Oktober
– Sachsen-Anhalt 15. Juli
– Thüringen 15. Juli

Der Antrag gilt für das folgende Wintersemester. Für die anderen Bundesländer gibt es keine derartigen Fristen, was dennoch zu überprüfen ist. Die Angaben sind ohne Gewähr, da sie sich jederzeit ändern können.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Ist der Studiengang NC-beschränkt?
2. Bewerbung einreichen
3. Bei Ablehnung einen außerkapazitären Hochschulantrag stellen
4. Nochmals Ablehnung erhalten?
5. Antrag auf Studienplatzklage stellen
6. Gerichtsverfahren: Überprüfung der freien Kapazitäten
7. Losverfahren bei zu vielen Klägern

Diese Anleitung soll dir als kleine Orientierungshilfe dienen, wie eine Studienplatzklage ablaufen kann. Die einzelnen Punkte können in der Praxis abweichend sein.

Die Höhe der Kosten

Überprüfe ob deine Rechtsschutzversicherung die Studienplatzklage übernimmt.

Überprüfe ob deine Rechtsschutzversicherung die Studienplatzklage übernimmt.

Studienplatzklagen bestehen aus mehreren Verfahren. Du kannst einen Anwalt direkt von der ersten Sekunde heranziehen oder bis zum Antrag abwarten. Das erhöht oder senkt die Kosten, kann aber deine Erfolgschancen schmälern – falls du am Anfang einen Formfehler begehst. In der Regel liegen die Kosten bei 50 bis 1.000 Euro. Viele Abiturienten klagen bei mehreren Hochschulen, womit sich die Ausgaben summieren. Einige Rechtsanwälte verlangen nur im Erfolgsfall ein bestimmtes Honorar, doch du darfst die Gerichtskosten niemals unterschätzen. Rund 500 Euro können sich schnell ergeben.
Mit etwas Glück kannst du einen Vergleich heraushandeln. Falls du das ohne Anwalt schaffst, kommst du mit unter 100 Euro davon, was eher selten klappt. Überprüfe deine Rechtsschutzversicherung, ob sie die Kosten für eine Studienplatzklage übernimmt. In der Regel sind solche Verfahren ausgeschlossen, doch manchmal sind sie im Leistungspaket enthalten. Möchtest du kurz vor dem Prozess eine solche Versicherung abschließen, solltest du das rechtzeitig machen. In der Regel beträgt die Wartezeit mindestens drei Monate, bevor du den Rechtsschutz aktiv nutzen kannst. Bitte beachte die Höhe der Selbstbeteiligung sowie die Anzahl der zugelassenen Klagen.

Lohnt sich eine Studienplatzklage?

Finde vorher mit einem Praktikum heraus, ob der Studiengang überhaupt etwas für dich ist.

Finde vorher mit einem Praktikum heraus, ob der Studiengang überhaupt etwas für dich ist.

Das Verfahren kann enorm hohe Kosten verursachen, da mehrere Klagen die Erfolgschancen erhöhen. Dennoch gibt es keine Garantie für einen Studienplatz.
Du musst dich fragen, ob du die Wartezeit nicht besser überbrücken kannst. Ein Praktikum liefert dir interessante Berufseinblicke und kommt beim Arbeitgeber immer gut an. Manchmal stellt sich heraus, dass die Tätigkeit gar keinen Spaß macht. Dann hätte sich der Kläger nach wenigen Semestern sowieso neu orientiert. Bevor du einen Anwalt triffst, solltest du darüber nachdenken, ob dich der Studiengang wirklich interessiert. Ein aufwändiger Prozess ist nur dann sinnvoll, wenn du in dieser Branche arbeiten möchtest.
Einige Hochschulen verzichten auf das Losverfahren. Sie bevorzugen Kläger, welche nur knapp gescheitert sind. Ist dein Abischnitt circa 0,1 bis 0,3 schlechter als der Numerus clausus, hast du bei so einer Universität gute Chancen.

Fazit

Eine Studienplatzklage will gründlich überlegt sein: An sich ist es kein kompliziertes Verfahren, doch es hat einen ungewissen Ausgang. Handelt es sich um dein absolutes Traumstudium, ist es den Aufwand auf jeden Fall wert. Du solltest dich nur vorher über die Erfolgschancen im jeweiligen Studiengang informieren.

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