Studienabbruch – Was nun?

Du hast einmal dein Studium mit großem Elan aufgenommen, dachtest, das ist es nun wirklich. Nach einigen zunehmend enttäuschender werdenden Semestern bist du aber nun an dem Punkt angelangt, das Studium nicht fortsetzen zu wollen. Welche Perspektiven warten jetzt auf dich, ist dein Leben jetzt verpfuscht?

Die gerade zuletzt gestellte Frage ist natürlich eine rein rhetorische Frage, denn sei dir mal sicher: Außer dir gibt es unzählige Studienabbrecher, auch einige sehr prominente, wie Dieter Bohlen, die noch eine gute Karriere hingelegt haben. Okay, wenn der nicht gerade dein Vorbild ist, es gibt noch diverse Andere, die du jeden Abend im TV bewundern kannst. Mach dich also im ersten Schritt von der Vorstellung frei, dass du versagt hast, dass du vorzeitig aufgegeben hast. Sagt man nicht, „besser jetzt als nie“? Wenn du einfach gemerkt hast, dass der Unibetrieb oder speziell dein Fach nichts für dich waren, ist es konsequent und auch ehrlich dir selbst gegenüber, dich vom Studium zu verabschieden.

Willkommen im Club! Ein Studienabbruch als Neustart und Chance

Baue Dir die Karriere auf, von der Du träumst!

Baue Dir die Karriere auf, von der Du träumst!

Auch wenn heute oft der Zwang zu bestehen scheint, dass man eine aalglatte Vita ohne Brüche aufweisen muss, stimmt das nur bedingt. Viele Arbeitgeber haben einfach die Nase voll von altklugen Menschen sehr jugendlichen Alters, die, nur weil sie mit 23 Jahren schon ihren Master gewuppt haben, nun denken, sie seien die Masters oft the Universe und wüssten alles – über den Betrieb, die Welt etc. So kannst du davon ausgehen, dass du durchaus später auf einen Chef treffen kannst, der selbst einmal das Studium abgebrochen hat und mit Quereinsteigern mehr als nur sympathisiert. Du verstehst, du hältst womöglich gerade ein Trumpfkärtchen in der Hand, ohne es zu wissen. Bau deine eigene Karriere – ohne äußere Zwänge.

Adieu, Alma Mater!

Du bist jetzt also kein kleiner Abiturient mehr, sondern bist schon durch einige Höhen und Tiefen gegangen und verdienst vielleicht auch schon dein eigenes Geld. Also nimm dich auch als jemand Neues wahr, der eben einen neuen Werdegang in Angriff nimmt, der aber auch einiges an Kenntnissen gewonnen hat. Und wenn dies die Erkenntnis ist, dass bestimmte Sachen wie dein BWL Studium eben nicht in Frage kommen. Damit beweist du schon mal Konsequenz und kannst dich im Grunde auch etwas zurück lehnen. Vorbei ist das krampfhafte Drängen in dieses Proseminar oder an jenen Laborplatz. Du bist jetzt erst einmal aus dieser wahnsinnigen Masse heraus, kannst sie aber gerne bei Bedarf noch einmal amüsiert betrachten. Wenn du willst, geh also weiter in die Mensa. So schlecht ist das Essen dort auch nicht mehr, und du kannst mit der Distanz desjenigen, der das alles hinter sich hat, auch deine Position überdenken.

Chancen en masse, ins Ausland, ein Praktikum machen?

Dir stehen alle Türen offen, vielleicht machst du zuerst ein Praktikum im Ausland?

Dir stehen alle Türen offen, vielleicht machst du zuerst ein Praktikum im Ausland?

Da du dich jetzt nicht mehr zwischen Jobs und Uni zerreißen musst, hast du die Chance, deine werte Arbeitskraft voll und ganz einer Firma zur Verfügung zu stellen. Wenn du dich in einer Firma, die dir grundsätzlich gefällt, bewirbst, mach einen Fehler nicht: Sag nichts von einem Studienabbruch. Auch wenn meistens ein Lebenslauf gefragt ist, die Leute sind nun mal so, schreibst du eben nur den Zeitraum hinein, in dem du genervt in den Seminaren hocktest, begründest aber nichts. Das kann später immer noch kommen, wenn du eingeladen wirst. Und an der Stelle bzw. als Generalprobe solltest du ruhig deine ganze Kreativität zusammen nehmen und dir einen tollen Grund ausdenken, weshalb du jetzt nicht mehr als Student zu finden bist. Stichworte könnten hier sein: Lust auf die Praxis, Arbeiten mit Sinn, dir fällt sicher etwas ein. Madig machen musst du nichts, weder die Ex-Profs noch die Ex-Kommilitonen. Du bist jetzt eben einen Schritt weiter. Was interessiert dich der Schnee von gestern?

Hinein in die Praxis – ohne großes Studium

Oder warum nicht einfach ein Start-up gründen?

Oder warum nicht einfach ein Start-up gründen?

Wenn du verstanden hast, dass du einfach nicht der Theoretiker bist, dass dich Theorien sogar ungeduldig machen, bist du schon an deinem neuen Platz angekommen. Du bist jetzt der Praktiker oder die Praktikerin, je nachdem. Das kann bedeuten, dass du doch noch eine Lehre angehst, etwas, das dir vor ein paar Jahren noch doof vorkam, oder dass du einfach die Lauscher in den Praktikumsfirmen aufstellst, dich dort unentbehrlich machst und so irgend wann zu jemandem wirst, der so viele Insiderkenntnisse hat, dass er dazu gehört, als sei er immer schon da gewesen. Du weißt ja, dass du nicht gerade begriffsstutzig bist, also nutz deinen Grips und geh jetzt in die Vollen. Dich interessiert die Arbeit von Start-ups, wie aus einer Idee ein konkretes Projekt wird? Ran an den Speck, bring deine Ideen ein. Wer weiß, ob du nicht bald selbst ein Start-up gründest?

Je ne regrette rien

Du merkst, dass ein Studienabbruch eine einmalige Chance für ein neues, anderes Leben darstellen kann, und bist jetzt auch richtig scharf auf die Praxis, die Arbeitswelt. Ein bisschen überkommt dich aber manchmal doch der Neid auf deinen ehemaligen Mitschüler Fabian, der nun nach exzellentem Masterabschluss einen Top-Job in einer Bank ergattert hat. Vergiss es, auch Fabian wird nach einer Hochphase erlahmen, wenn nicht gar ein Burn-Out haben, denn er hat weitestgehend funktioniert, war wenig selbst bestimmt. Also lautet für dich eine goldene Regel: Kein Bedauern, oder, wie Edith Piaf so schön sang, „Non, je ne regrette rien„. Das ist von nun an dein Motto, lass Fabian einen Superstudi sein, du bist ein super Neustarter, so einfach ist das.

Falls du gerade noch am Zögern sein solltest

Letztendlich solltest du genau überdenken, ob du das Studium wirklich aufgeben möchtest

Letztendlich solltest du genau überdenken, ob du das Studium wirklich aufgeben möchtest

Nun haben wir schon ausführlich die Gründe und Strategien erläutert, die sich bei einem Studienabbruch ergeben, auch, wie du deine Vita ein wenig polieren kannst. Wenn du aber gerade auf dem Scheideweg bist, soll ich gehen oder bleiben, kann es vielleicht ganz sinnvoll sein, ein Urlaubssemester zu nehmen. Einfach mal aus der Mühle auszusteigen. Wenn du dann merkst, dass alles, was sich dir draußen so bietet, nicht so recht in Frage kommt, gib der Uni noch eine Chance. Du bist, wenn du Abstand nimmst, sicher wieder etwas wohlwollender den Profs und den Abläufen gegenüber. Wer weiß, vielleicht ist für dich der Praxisschock der Weg zurück in die Arme von Alma Mater. Bleib einfach wach, und schließe nichts aus, du hast nur dieses eine Leben!

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