Private oder staatliche Hochschule?

Wer ein Studium aufnehmen möchte, muss sich mit einer ganzen Reihe von Fragen auseinandersetzen. Dazu gehört nicht nur die Wahl des Studienortes und des Studienfaches, sondern auch die Frage, ob eine private oder eine staatliche Hochschule die besseren Ausbildungs- und Karrierechancen bietet. Allzu oft grassiert das Vorurteil, dass an einer privaten Hochschule nur die Kinder reicher Eltern studieren, deren Abiturdurchschnitt zu schlecht ist, um an einer staatlichen Hochschule die Zulassung zu erhalten. Dem ist jedoch keineswegs so. Auch private Hochschulen verfügen über ein umfangreiches Zulassungsverfahren, das sich allerdings erheblich von dem Zulassungsverfahren an einer staatlichen Hochschule unterscheiden kann. Auswahlgespräche, Eingangstests oder Accessment-Center sind hier die Regel, während es bei einer staatlichen Hochschule vor allem auf den Numerus Clausus ankommt. Außerdem sind die Studiengebühren an einer privaten Hochschule ein nicht unerheblicher Faktor. Worauf es sonst noch ankommt, möchte der folgende Artikel beleuchten.

Was ist besser – Private oder staatliche Hochschule?

Sowohl an einer staatlichen als auch an einer privaten Hochschule werden Bachelor- und Masterstudiengänge angeboten. Allerdings kann sich das Angebot einer privaten Hochschule zum Teil deutlich von dem Angebot einer staatlichen Hochschule unterscheiden. Es ist meistens auf wirtschaftswissenschaftliche, rechtswissenschaftliche oder medizinische Studiengänge begrenzt. Im Gegensatz dazu bieten staatliche Universitäten in größeren Städten nahezu das gesamte Spektrum an Studiengängen an, die derzeit aktuell sind. Dies trifft allerdings nicht immer und überall zu. Aus diesem Grunde wäre es sehr wichtig, dass Du Dich vorher genau informierst, wo Du Dein Lieblingsfach studieren kannst und anschließend eine Auswahl triffst, welche Studienorte ganz konkret infrage kommen. Die Studiengebühren an einer staatlichen Hochschule sind entweder gering oder gar nicht vorhanden. In vielen Städten ist lediglich ein regelmäßiger Semesterbeitrag zu zahlen, der dich allerdings dazu berechtigt, zahlreiche Vergünstigungen an der Universität und an deinem Studienort in Anspruch zu nehmen. Lediglich für Langzeitstudenten fällt in der Regel ein Semesterbeitrag an, der einen drei- bis vierstelligen Eurobetrag pro Semester umfassen kann. Die Studiengebühren an einer privaten Hochschule sind sehr hoch. Dieser Tatsache dürfte der Ruf geschuldet sein, den die Privatunis in weiten Kreisen der Bevölkerung genießen. Sie sind aber nicht nur reichen Personen vorbehalten. Es gibt durchaus die Möglichkeit, ein Stipendium zu beantragen und damit an einer privaten Universität zu studieren. Bevor Du eine solche Entscheidung triffst, solltest Du Dir allerdings sicher sein, dass der Abschluss, den du an der privaten Hochschule erwerben möchtest, staatlich anerkannt ist.

Vor- und Nachteile einer staatlichen Hochschule

Die Zahl der Studenten ist an einer staatlichen Hochschule in der Regel deutlich höher als an einer privaten Hochschule. Volle Hörsäle und übervolle Seminare sind keine Seltenheit. Es gehört mitunter ein großes Durchsetzungsvermögen dazu, freie Plätze in einem Seminar zu ergattern und das Studium in der geforderten Zeit abzuschließen. Außerdem ist die Zahl der Studierenden, die eine Lehrkraft zu betreuen hat, deutlich höher als die Zahl der Studierenden, die an einer privaten Hochschule von einer Lehrkraft betreut werden. Eine gewisse Anonymität herrscht an jeder größeren Universität vor. Dies gilt erst Recht, wenn es sich um ein Studienfach handelt, das sehr begehrt ist. Hier ist es nicht selten, dass sich der Studienanfänger mit mehreren hundert anderen Studienanfängern im Hörsaal wiederfindet. Die Anonymität bietet aber nicht nur Nachteile, sondern auch eine ganze Reihe von Vorteilen. Individualisten haben die Möglichkeit, ihr Studium und ihren Studienrhytmus bis zu einem gewissen Grade selbst zu gestalten. Eine Verschulung ist an einer staatlichen Hochschule weniger gegeben als an einer privaten Hochschule.

Vor- und Nachteile einer privaten Hochschule

Die technische und organisatorische Ausstattung einer privaten Hochschule ist in der Regel deutlich besser als die Ausstattung einer staatlichen Hochschule. Außerdem ist der Studienplan straffer und die Betreuung kann viel persönlicher und individueller gestaltet werden. Anonymität ist an einer privaten Hochschule fast immer ein Fremdwort. Die Studenten und die Lehrkräfte kennen einander und die Studienorganisation ist deutlich straffer als an einer staatlichen Hochschule. Dem stehen die zum Teil sehr hohen Studiengebühren gegebenüber. Einige Privatuniversitäten bieten nicht nur ein Direktstudium in Vollzeit, sondern auch ein Teilzeit- und/oder ein Fernstudium an. So haben auch berufstätige Personen oder Personen, die aus familiären Gründen kein Präsenzstudium absolvieren können die Möglichkeit, einen staatlich anerkannten Studienabschluss zu erwerben. In der Regel besteht eine gute Vernetzung zwischen einer privaten Universität und der freien Wirtschaft. Dies kann ein wichtiger Faktor sein, warum sich eine Person trotz der hohen Studiengebühren für eine private Hochschule entscheidet. Es muss aber auch gesagt werden, dass selbst ein sehr guter Abschluss einer privaten Universität keine Garantie auf eine spätere Karriere oder eine gut dotierte berufliche Stellung gewähren kann. Dennoch fällt den Absolventen einer privaten Hochschule der Einstieg in den Beruf etwas leichter als den Absolventen einer staatlichen Hochschule. Dies gilt vor allem für die Absolventen der wirtschafts- und ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge, die bevorzugt an den privaten Hochschulen angeboten werden.

Berufliche Chancen – staatliche und private Hochschule

Grundsätzlich können keine allgemeingültigen Aussagen getroffen werden, welchen Studienabsolventen der Berufseinstieg leichter fällt. Dies hängt nicht nur von der Universität, sondern auch vom gewählten Studienfach und von verschiedenen anderen Faktoren ab. Absolventen eines stark nachgefragten Studienganges, die zudem zahlreiche Praktika während des Studiums abgeleistet haben, dürften es nicht allzu schwer haben, eine adäquaten berufliche Stellung zu finden. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob das Studium an einer staatlichen oder einer privaten Universität absolviert wurde. Wer sich für ein Studienfach entscheidet, das in der Praxis weniger gefragt ist, muss damit rechnen, dass er deutlich länger brauchen wird, um den Einstieg in den Beruf zu finden.

Vor- und Nachteile private und staatliche Hochschule

Vor- und Nachteile private und staatliche Hochschule im Überblick

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