Praxissemester: Rund ums Pflichtpraktikum während des Studiums

Ein abgeschlossenes Studium ist ein sehr hoher und wertvoller Bildungsabschluss. Manchmal sind die Studieninhalte oft eher theoretisch oder zumindest nicht in reale Berufsbedingungen eingebettet. Dieses Manko lässt sich mindern, indem du schon während des Studiums Praktika machst. Dies verbessert die Einsicht in das eigene Studium, das damit verbundene Berufsfeld und verbessert die Einstellungschancen nach Studienabschluss erheblich. Hier kannst du erfahren, wie du ein Praktikum findest, es gestalten kannst und welche weiteren Vorteile es bietet.

Praktikum ist nicht gleich Praktikum

Praktika können auch zum Pflichtteil eines Studiums gehören. Zum Teil sind sie sogar vor dem Studium zu absolvieren und Bedingung für die Aufnahme an einer Universität. Bei manchen technischen Studiengängen, wie etwa für ingenieurwissenschaftliche Fächer, sind diese Vorpraktika üblich. Sie haben eine gesamte Dauer von 6 bis 8 Wochen. Hier solltest du dich durch die Studienordnung deines Faches genau informieren, welche formalen Bedingungen das Praktikum erfüllen muss, welche Dauer es haben soll und welche Inhalte unverzichtbar sind. Für ein solches Vorpraktikum solltest du dir rechtzeitig vor Beginn des Studiums einen passenden Platz für das Praktikum suchen. Bedenke dabei, dass du gerade dabei nicht wenige Mitbewerber hast. Eine gute Bewerbung ist hier auch von großer Wichtigkeit, hierzu später noch mehr.

Das Praktikum als selbstgewählte Kür

Manche Studiengänge verlangen kein Praktikum. Gerade in einem solchen Studienfach können ein Praktikum (oder mehrere!) dich später aus der Masse der anderen Studienabsolventen herausheben. Je näher das Praktikum einer späteren Berufsrealität deines Studienfachs entspricht, umso größer ist dein persönlicher Gewinn daraus. Das freiwillige Praktikum wirst du in aller Regel nur in der vorlesungsfreien Zeit machen können. Auch hier mahlt der zuerst, der früh kommt: Manche Praktikumstellen werden mit einem Jahr Vorlauf vergeben. Also solltest du dies sehr vorausschauend planen. Die Dauer des Praktikums ist zwar meist verhandelbar, aber aus Gesagtem folgt, dass dein maximaler Zeitrahmen etwa 2 -3 Monate sind. Auch der Arbeitgeber denkt in eher solchen Dimensionen, denn von einem Praktikanten hat er dann auch am Ende selber etwas. Dennoch solltest du, wenn sich die Chance bietet, auch ein kurzes Schnupperpraktikum nicht ausschlagen – wenn es dich besonders interessiert oder der Arbeitgeber ein besonderes Renommee genießt.

Die Pflicht stets positiv gestalten

Manche Studiengänge mit Pflichtpraktikum haben sogar ein sogenanntes Praktikumssemester oder gar ein ganzes sogenanntes Praktisches Jahr. Auch wenn man hier oft Unterstützung und Hilfe von Seiten der Hochschulen für das Finden eines Praktikumsplatzes bekommt, solltest du dennoch selbst aktiv werden. Hier könnte dich das hochwertige Praktikum, in Eigenregie ergattert, aus der Masse der Pflichtpraktikanten herausheben. Ein Praktikum erfordert meist als Abschluss einen Praktikumsbericht. Dies wird von den meisten Studierenden als sehr lästig empfunden und oft sehr stiefmütterlich behandelt. Vielleicht ein Fehler – im Zuge neuer Bewerbungstrends kann ein exzellenter und inhaltlich aussagekräftiger Praktikumsbericht Teil eines späteren Bewerbungsportfolios sein.

Praktika im Ausland – mehr Fliegen mit einer Klappe

Neben den üblichen Praktikumsinhalten vermittelt ein Auslandsaufenthalt noch weitere Fähigkeiten, die dir für spätere Bewerbungssituationen sehr wertvolle Hilfen sein können. Zum einen bessert man seine Sprachkenntnisse auf, was in der heutigen Zeit wichtig sein kann. Das man sich in einem fremden Land bewährt hat, werden die meisten potenziellen Arbeitgeber später als Zeichen hoher Sozialkompetenz, Flexibilität und Motivation, auch unter ungewohnten Bedingungen, werten und honorieren. Für manche Studieninhalte sind bestimmte Länder branchenführend. Hier stellt der Auslandsaufenthalt mit Praktikum dann eine besondere fachliche Erfahrungskompetenz in den Vordergrund.

Geld regiert die Welt?

Wenn das Studium für dich sowieso schwer zu finanzieren ist, macht die Praktikumssituation dies zunächst nicht leichter. In den Semesterferien etwa ist sonst die Zeit, um Geld zu verdienen. Diese Möglichkeit besteht während eines Praktikums nicht. Umso wichtiger ist die Frage, ob das Praktikum vergütet wird. Hier gibt es keine festen Regeln. Viele Praktika sind leider unbezahlt, und du musst damit umgehen. In manchen Branchen, etwa im Bereich der IT oder Chemie, werden für Praktika doch auch attraktive Gehälter bezahlt, etwa 800 Euro im Monat. Meist steigt die Wahrscheinlichkeit einer Bezahlung mit der Studienerfahrung, die der Bewerber mitbringt. Ein unbezahltes Praktikum mit abgeschlossenem Studium sollte man eher nicht antreten. Ausnahme könnte sein, wenn andere Fakten dafür sprechen: Eine in Aussicht gestellte Übernahme oder das besondere Renommee der Firma könnten Argumente dafür sein, zunächst auch unbezahlt zu arbeiten. Jedes Praktikum, ob bezahlt oder nicht, sollte mit einem Praktikumsvertrag besiegelt sein, dass alle wichtigen Fakten eindeutig klärt und festlegt. Ein aussagekräftiges Zeugnis zum Schluss ist ebenfalls obsolet.

Wie man einen Praktikumsplatz findet

Ähnlich wie bei der Arbeitsplatzsuche hat das Internet heute einen hohen Stellenwert beim Finden von interessanten Arbeitgebern. Auch Praktika werden auf Firmenwebseiten und in Jobbörsen ausgeschrieben. Natürlich haben auch die Hochschulen und Universitäten oft gute Informationen über Praktikumsplätze, die sie den Studierenden zur Verfügung stellen. Analog zu Initiativbewerbung für einen Arbeitsstelle kann man natürlich auch versuchen, ein Praktikum bei einer Firma, Organisation o.ä. zu bekommen, die keine Angebote ausschreibt. Dies gelingt besonders dann, wenn die Bewerbung gut und auffällig gestaltet ist und man eventuell persönliche Kontakte im jeweiligen Unternehmen hat. Diese kann man etwa auch bei sogenannten Tagen der offenen Tür bekommen, an denen man potentielle Praktikumsgeber aufsuchen kann. Diese kommen oft auch zu Job- und Praktikumsbörsen an die Hochschulen und Universitäten. Hier sollte man unbedingt den individuellen und persönlichen Austausch mit Firmenvertretern suchen. Austausch von Visitenkarten ist dann ganz wichtig. Bei einer späteren Bewerbung solltest du dich etwa unbedingt namentlich auf einen solchen Kontakt beziehen.

Bewerben – aber wie?

Für ein Praktikum bewirbst du dich wie für einen Arbeitsplatz. Formal besteht die Bewerbung aus

– einem Anschreiben

– einem Lebenslauf und

– Anlagen wie Zeugnissen etc.

In dem Anschreiben solltest du vor allem deine Fähigkeiten besonders nach vorne bringen. Zum anderen sollte der Adressat herauslesen können, dass du dich ausführlich mit ihm beschäftigst hast und genau bei ihm aus guten Gründen dein Praktikum machen willst. Da die Lebensläufe von Studenten meist noch nicht so umfangreich sind, können hier auch Kleinigkeiten etwas aussagen: Ehrenämter, Vereinszugehörigkeiten oder Hobbies mit Kontext zu aktuellen Studieninhalten können dich als Person deutlicher hervortreten lassen und deine Motivation und Eignung unterstreichen. Und auch wenn es etwas teurer ist: Bewerbungsfotos sollten professionell von einem Fotografen gemacht werden!