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Studentenleben

15Mai

Mindestlohn für Studenten

Seit 01. Januar 2015 gilt nun auch in Deutschland wie schon in vielen anderen Ländern für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen ein gesetzlicher Mindestlohn in Höhe von 8,50 EUR brutto pro Arbeitsstunde. Dieser Mindestlohn gilt ebenso für Midi- und Minijobs sowie mit Einschränkungen auch für Praktika. Gerade in diesen Bereichen scheint der Mindestlohn für Studenten sehr relevant zu sein. Denn auf den gesetzlichen Mindestlohn kann nicht einfach so verzichtet werden. Wenn doch, dann wird dieser Verzicht in einem Vergleich vor Gericht bescheinigt. Allerdings gibt es im „Gesetz zur Stärkung der Tarifautonomie“, in dem der Mindestlohn geregelt wird, Sonderregelungen und Ausnahmen.

 

Mindestlohn für Studenten im Praktikum

Auch als Praktikant hast du Anspruch auf diesen gesetzlichen Mindestlohn. Aber er wird nicht in jedem Praktikum bezahlt. Um den Mindestlohn zu erhalten, musst du eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

– Praktikum mit einer Dauer über drei Monate:

Für den Fall, dass du ein Praktikum absolvierst, das länger als drei Monate dauert, beispielsweise begleitend zum Studium oder als Orientierungspraktikum, dann wird der Mindestlohn ab dem 1. Tag des Praktikums fällig. Mit dieser Regelung soll verhindert werden, dass eine Einarbeitung dem Unternehmen zu viel Geld und Zeit kostet. Denn im Normalfall trägst du als Praktikant nicht sofort zum wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens bei. Das bedeutet, kürzere Praktika wären für die Unternehmen deutlich teurer und werden deshalb nicht mit einem Mindestlohn vergütet.

– Praktikum außerhalb eines Studiums oder einer Ausbildung, mit Studienabschluss oder abgeschlossener Berufsausbildung:

Verfügst du über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder über einen Studienabschluss, dann steht dir in deinem Praktikum, das du außerhalb eines Studiums absolvierst, der gesetzliche Mindestlohn zu.

– Mindestalter von 18 Jahren:

Der gesetzliche Mindestlohn gilt nur für Erwachsene. Mit dieser Regelung soll verhindert werden, dass ein Praktikant auf eine Berufsausbildung verzichtet, auch wenn das finanziell kurzfristig vom Vorteil ist. Langfristig gesehen ist dieses Vorhaben sehr nachteilig, da eine abgeschlossene Berufsausbildung die Chancen für bessere Verdienstmöglichkeiten drastisch erhöht.

– Absolvierung eines freiwilligen, studienbegleitenden Praktikums, wenn bereits ein solches Praktikumsverhältnis mit demselben Praktikanten bestanden hat:

Absolvierst du ein Praktikum in einem Unternehmen, in dem du schon einmal als Praktikant tätig warst, so steht dir der gesetzliche Mindestlohn zu.

 

Folgende Verhältnisse und Gegebenheiten sind vom gesetzlichen Mindestlohn für Studenten ausgenommen:

– Pflichtpraktika im Rahmen der Studienordnung deines Studienfachs:

Du erhältst als Praktikant keinen Mindestlohn, sofern es sich bei deinem Praktikum um ein Pflichtpraktikum handelt, das von deiner Hochschule vorgeschrieben ist. Dasselbe gilt auch für ein Praktikum, das einer betrieblichen Einstiegsqualifizierungnach § 54 a des Dritten Sozialgesetzbuches dient oder im Rahmen einer Berufsausbildungsvorbereitung stattfindet.

– Freiwilliges Praktikum zur Orientierung bei der Berufs- oder Studienwahl mit einer Dauer bis zu drei Monaten (Nur fürOrientierungspraktika mit einer Dauer über drei Monate wird Mindestlohn bezahlt.)
– Jeder unter 18 Jahren ohne Berufsabschluss
– Praktika innerhalb eines dualen Studiums:

Für Praxisphasen bei ausbildungsintegrierten und praxisorientierten Studiengängen, in denen du regelmäßig zu praktischen Tätigkeiten innerhalb des Studiums verpflichtet bist, wird dir kein Mindestlohn vergütet. Denn nach wie vor wird die Vergütung dualer Studenten zwischen Unternehmen und Student in einem entsprechenden Ausbildungs- und Studienvertrag geregelt. Deshalb ist dies nicht an die Vorgabe des Mindestlohns gebunden.

– Praktika für eine Dauer bis zu drei Monaten, die begleitend zu einer Hochschulausbildung geleistet werden, wenn nicht zuvor bereits ein Praktikumsverhältnis seitens des Unternehmers mit dem Studenten bestand:

Falls du mehrere Praktika während deines Studiums absolvieren musst und du jedes in einem anderen Unternehmen absolvierst, erhältst du also keinen Mindestlohn.

 

Gehaltsanspruch und schriftlicher Praktikumsvertrag

In Bezug auf den Mindestlohn für Studenten ist es ganz wichtig zu erwähnen, dass du, sofern dein Praktikumsverhältnisbereits im Vorfeld bestanden hat oder du dein Praktikum länger als drei Monate absolvierst, einen Anspruch auf einen schriftlichen Praktikumsvertrag hast. In diesem Vertrag sind die Arbeitszeit, die Bezahlung sowie weitere wichtige Aspekte schriftlich festgehalten, an die sich dein Arbeitgeber halten muss. Deshalb solltest du von Beginn an auf eine schriftlicheFesthaltung des Mindestlohns oder andere Absprachen mit deinem Arbeitgeber bestehen.

Wichtig: Falls du dir unsicher bist, ob du in deinem Praktikum einen Anspruch auf den Mindestlohn hast, so solltest du im Vorstellungsgespräch explizit danach fragen. Auch ein Blick auf den Praktikumsvertrag (Arbeitsvertrag) hilft dir dabei, diese Frage zu beantworten. In deinem Praktikumsvertrag muss vor Aufnahme deines Praktikums Folgendes festgehalten werden:

– Dauer und Beginn deines Praktikums
– Ausbildungs- und Lernziele deines Praktikums
– Dauer deiner regelmäßigen täglichen Praktikumszeit
– Dauer deines Urlaubs
– Zahlung und Höhe deiner Vergütung
– Anschrift und Name der Vertragsparteien
– Hinweise auf die Betriebs- oder Dienstvereinbarungen sowie Tarifverträge, die eventuell auf dein Praktikumsverhältnisanzuwenden sind

Hinweis: Die Verpflichtung zu diesen Angaben ist unter anderem im Nachweisgesetz (NachwG) in § 2 geregelt.

 

Mindestlohn für Studenten in Minijobs

Studenten gehen häufig neben ihren Praktikumsphasen einem Minijob als Werkstudent unterhalb der 450-Euro-Grenze nach. Auch hier gilt seit dem 01. Januar 2015 der gesetzliche Mindestlohn.

Solltest du in dieser Situation sein, gibt es zwei Möglichkeiten für dich:

– Du behältst deine bisherige monatliche Arbeitszeit bei:
Wenn du dieselbe Arbeitszeit leisten möchtest wie bisher, so wird dein Beschäftigungsverhältnis als Werkstudent schnell zu einem versicherungspflichtigen Midijob. Denn in vielen Fällen wird hierbei die Grenze von 450 Euro aufgrund des gesetzlichen Mindestlohns überschritten und kann schnell zu einem Problem für deinen Arbeitgeber und für dich selbst werden.

– Du senkst deine bisherige monatliche Arbeitszeit:
Hier gilt es für dich, gut aufzupassen. Denn wenn du einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Zeitstunde erhältst, dann kommst du im Monat auf eine maximale Arbeitszeit von 52,94 Stunden. Da diese Grenze schnell überschritten ist, solltest du hier exakt auf deine geleisteten Arbeitsstunden achten und diese sorgfältig auf deinem Stundenzettel vermerken.

Wichtige Kriterien zur Versicherungsfreiheit in der Sozialversicherung

Eine Versicherungsfreiheit für die Sozialversicherung besteht für dich nur im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung. Das heißt, du kannst nur von der Zahlung zur Sozialversicherung befreit werden, wenn du einer geringfügigen Beschäftigung nachgehst oder nur kurzfristig angestellt bist.

Wichtig: Ab 1. Januar 2015 wird für die Dauer von vier Jahren die Möglichkeit der sozialversicherungsfreien kurzfristigen Beschäftigung erweitert, und zwar von 50 auf 70 Tage. Ist also dein Arbeitsverhältnis als geringfügig Beschäftigter auf maximal 70 Arbeitstage oder drei Monate befristest, bist du von der Zahlung zur Rentenversicherung und der Sozialversicherung befreit. Dein Entgelt darf die 450-Euro-Grenze aber nicht übersteigen. Hinsichtlich dieser Regelung spielt es für dich keine Rolle, ob du deiner Werkstudententätigkeit innerhalb des Semesters oder in den Semesterferien nachgehst. Ansonsten gilt nach wie vor, dass deine Arbeitszeit nicht mehr als 20 Stunden pro Woche betragen darf, damit du den Status als Werkstudent beibehalten kannst.

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