Medizinstudium im Ausland

Ein Medizinstudium ist der Traum vieler angehender Studenten, nur die wenigsten erhalten einen Studienplatz. Auf einen Platz kommen über fünf Bewerber, was die Erfolgschancen schmälert. Auf Grund des hohen Wettbewerbs rückt das Medizinstudium im Ausland in den Fokus. Mit einem Auslandsstudium kannst du die Wartezeit drastisch verkürzen, doch es kann ziemlich teuer werden.

Richtlinien: Medizinstudium im Ausland

Das Gleichbehandlungsgebot besagt, dass ausländische Absolventen nicht diskriminiert werden dürfen

Das Gleichbehandlungsgebot besagt, dass ausländische Absolventen nicht diskriminiert werden dürfen

Niemand muss den Kopf in den Sand stecken, wenn es nicht auf Anhieb mit dem Medizinstudium klappt. In Deutschland gilt das Gleichbehandlungsgebot (§33c SGB I), was dir deine Karriere als Mediziner retten kann. „Nach diesem Gesetz dürfen ausländische Absolventen nicht diskriminiert werden.“
Wer sein Medizinstudium im Ausland komplett abschließt, muss sich in Deutschland keine Sorgen machen. Entsprechend seiner Leistungen kann er sich direkt bei einer Hochschule bewerben. Das Landesprüfungsamt ist für die Anerkennung der Leistungen in den Fächern Medizin, Pharmazie und Zahnmedizin zuständig. Dies geschieht im Bundesland, in dem du deinen Hauptwohnsitz hast. Das strenge Auswahlverfahren durch hochschulstart.de entfällt, da nur noch die Universität über die Zulassung entscheidet. Offiziell wird dieser Vorgang als „Quereinstieg“ bezeichnet, auch wenn es sich eher um eine Verlegung des Studiums handelt.
Die Hochschulen haben bestimmte Fristen festgelegt, an die du dich halten solltest. In der Regel sind es 4 bis 6 Wochen vor Ablauf der allgemeinen Bewerbungsfrist. Meistens ist ein gesondertes Formular für die Bewerbung in ein höheres Fachsemester vorhanden. Fehlende Unterlagen kannst du nachträglich einreichen, wenn die Scheine noch nicht fertiggestellt sind. Oftmals werden sie von ausländischen Universitäten erst im August oder September verschickt.

Im deutschsprachigen Ausland studieren

Nur jeder 5te ist in Österreich ein ausländischer EU-Bewerber

Nur jeder 5te ist in Österreich ein ausländischer EU-Bewerber

Bis vor wenigen Jahren galten Österreich und die Schweiz als beliebte Ausweichorte für Medizinstudenten. Beide Länder haben dem einen Riegel vorgeschoben, um ihren eigenen Nachwuchs zu fördern.
In Österreich ist jeder fünfte Medizinstudienplatz für ausländische EU-Bewerber vorgesehen. Die Quote wurde gesenkt, da es einen starken Bewerberstrom aus Deutschland gab. Basierend auf einer Klage vor dem EU-Gerichtshof ist es Universitäten in Belgien und Österreich erlaubt, die Eintrittsbarrieren zum Medizinstudium deutlich zu erschweren. Die Praxis hat gezeigt, dass du eine deutsche Zulassung benötigst, um in Österreich Medizin zu studieren.
Noch schwerer gestaltet sich eine Bewerbung in der Schweiz. Hier hast du nur dann Chancen, wenn du entweder Schweizer bist oder seit 5 Jahren in diesem Land lebst. Trifft einer der beiden Punkte zu, musst du dich gegen drei Kandidaten um einen Studienplatz durchsetzen -das ist eine bessere Quote als in Deutschland.
Per Losverfahren kannst du einen begehrten Studienplatz in Österreich oder der Schweiz ergattern.

Zum Medizinstudium nach Osteuropa

Das Medizinstudium lohnt sich besonders in Osteuropa

Das Medizinstudium lohnt sich besonders in Osteuropa

Ungarn

In Ungarn kannst du ein Medizinstudium auf Deutsch oder Englisch absolvieren. Pro Studienjahr musst du rund 6.500 Euro einplanen. Dafür fallen die Lebenshaltungskosten deutlich günstiger aus. Die ersten drei Jahre kannst du in deutscher Sprache studieren, danach ist Englisch verpflichtend. Diese Möglichkeit wird dir in der Semmelweis-Universität in Budapest, der Universität Szeged und der Universität Pécs angeboten.

Lettland

Im Baltikum kannst du für 8.000 Euro pro Studienjahr ein Medizinstudium beginnen. Das geschieht an der lettischen Stradin-Universität in Riga. Die Gebühren steigen auf bis zu 10.000 Euro an, während auf Englisch unterrichtet wird.

Tschechien

Dieses Land bietet dir die Möglichkeit, auf Englisch oder Tschechisch zu studieren. Ein Medizinstudium dauert 6 Jahre, kostet jährlich 13.000 Euro und führt zu einem Masterabschluss.

Kroatien

Die Universität Zagreb verlangt Studiengebühren in Höhe von 7.000 Euro im Jahr. Es wird auf Englisch unterrichtet

Slowakei

An der Jessenius Fakultät für Medizin in Martin kannst du ein Medizinstudium im Ausland absolvieren. Die Gebühren betragen jährlich knapp 9.000 Euro. Wie an den meisten osteuropäischen Universitäten ist die Unterrichtssprache Englisch.
Der Unterricht verläuft so, dass der theoretische Teil auf Englisch stattfindet. Einheimische Sprachkenntnisse werden erst ab dem 3. Studienjahr vorausgesetzt. Dann beginnt der klinische Teil und du musst dich mit deinen Patienten unterhalten können. Das kannst du umgehen, indem du an eine deutsche Universität wechselst.

Weitere Möglichkeiten

Die meisten Studenten wechseln nach dem vorklinischen Studium wieder nach Deutschland zurück

Die meisten Studenten wechseln nach dem vorklinischen Studium wieder nach Deutschland zurück

Auch in Westeuropa kannst du es mit einem Medizinstudium im Ausland versuchen. Einige Abiturienten überlegen sich, warum sie nicht gleich in die USA gehen sollen. Ein Studium gestaltet sich kompliziert, da sich die Ausbildungssysteme grundlegend unterscheiden. Ein Ortswechsel, wie oben beschrieben, scheidet aus. Zudem ist eine Medizinerausbildung extrem teuer und sehr elitär aufgebaut. Falls du dir 20.000 bis 40.000 Euro im Jahr leisten kannst, erhältst du in den USA ein erstklassiges Medizinstudium.

Großbritannien

Um auf der Insel zu studieren, solltest du zunächst ein Foundation Year absolvieren. Im Anschluss musst du eine Hochschule von deinen Fähigkeiten überzeugen. Hier lohnt sich eher eine kleine Universität, da die Studiengebühren deutlich günstiger ausfallen. Sobald du drei Jahre studiert und das Physikum erhalten hast, kannst du an eine deutsche Hochschule wechseln.

Frankreich

Obwohl man zulassungsfrei eine medizinische Ausbildung genießen kann, ist Frankreich als Studienziel eher unbeliebt. Die Hörsäle sind überfüllt und es wird streng ausgesiebt: Bereits im ersten Semester müssen über 80 Prozent der Studenten ihr Studium abbrechen. Dieses Medizinstudium erfordert exzellente französische Sprachkenntnisse, dafür wirst du mit einer erstklassigen Ausbildung belohnt.

Italien und Spanien

In beiden Ländern werden hervorragende Kenntnisse der Landessprache vorausgesetzt. Die Hochschulen führen Aufnahmeprüfungen durch, die auf Italienisch oder Spanisch stattfinden. Wenn du eine der beiden Sprachen fließend beherrscht, ist das jeweilige Land eine sinnvolle Alternative zu Deutschland. Dennoch ist ein Vollstudium eher weniger zu empfehlen, da die italienische Ausbildung kaum Wert auf praktische Berufserfahrung legt. In Spanien findet nach 6 Jahren eine harte Abschlussprüfung statt, die das Wissen um den kompletten Stoff erfordert. Hier lohnt es sich eher, die drei Scheine in Physik, Chemie und Biologie zu absolvieren und nach Deutschland zu wechseln.

Fazit

Die meisten Studenten versuchen im Ausland das „vorklinische Studium“ abzuschließen. In Deutschland umfasst dieser Abschnitt eine Dauer von 2 Jahren sowie eine mündliche und schriftliche Endprüfung (Physikum). Das 5. Fachsemester beginnt mit dem „klinischen Studium„. Ein Wechsel kann auch in der vorklinischen Phase erfolgen. Dafür brauchst du einen Anrechnungsbescheid, der dich fürs 2., 3. oder 4. Fachsemester qualifiziert.
Ob Lettland, Tschechien oder Ungarn – erfülle dir deinen Traum vom Medizinstudium. Informiere dich genau, wie es sich mit der Anrechnung verhält. Das ist entscheidend, wenn du wieder nach Deutschland wechseln möchtest.

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