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Vor dem Studium

7Apr

Master oder zweiter Bachelor?

Wer heutzutage an einer deutschen Universität studiert, macht höchstwahrscheinlich zunächst seinen Bachelor. Seit der sogenannten Bologna Reform wurden die Diplom und Magister Studiengänge in Deutschland konsequent abgeschafft. Eine Vereinheitlichung des universitären Bildungssystems in ganz Europa mittels des Punktesystem European Credit Transfer System (kurz: ECTS) war das Ziel. Studenten sollten nach einem Abschluss bessere Chancen auf dem europäischen Arbeitsmarkt haben. Zudem sollte sich ebenfalls der Wechsel zwischen Universitäten verschiedener Länder innerhalb Europas wesentlich einfacher gestalten. Das neue zweistufige System beinhaltet die Abschlüsse Bachelor und Master. Doch nicht alles ist nach der Bologna Reform für deutsche Studenten besser geworden. Es wird lautstarke Kritik geübt. Der Lehrplan sei zu straff. Man lerne immer mehr auswendig und das eigentliche Verständnis bliebe bei dem neuen Leistungsdruck völlig auf der Strecke. Die strenge Anwesenheitspflicht in den Vorlesungen mache es vielen Studenten unmöglich, einem Nebenjob zur Finanzierung des Studiums nachzugehen. Die Regelstudienzeit sei nur noch in Ausnahmefällen wirklich einzuhalten. Nach dem Abschluss Bachelor wollen sich zudem viele Studenten noch weiter bilden. Doch ist es ratsamer einen zweiten Bachelor oder doch lieber einen Master zu machen?

Argumente für den Master Abschluss

Der neue zweistufige Aufbau ist eigentlich auf den Abschluss eines Masters für ehrgeizige Studenten nach dem Bachelor ausgerichtet. Wer in der Regelstudienzeit von zumeist drei Jahren seinen Bachelor gemacht und nicht viel Zeit nach dem Abitur vertrödelt hat, fühlt sich noch jung genug für einen noch qualifizierteren Abschluss. Doch auch ein zweiter Bachelor kann eine Option zur Studienverlängerung sein. Zunächst einmal bietet der Master ein vertieftes Studium in einem bestimmten Themenbereich. Wer sich im Studium besonders für ein bestimmtes Fachgebiet in seinem Studiengang interessiert hat, könnte sich mit einer solchen Spezialisierung wohl am besten anfreunden. Allerdings sollte man unbedingt beachten, dass bei einem Master Studiengang häufig die Vornoten eine entscheidende Rolle spielen. Öfters nehmen Hochschulen nur Studenten mit einer guten Leistung beim Bachelor an. Zudem sollte man sich bei nur durchschnittlichen oder gar schlechten Leistungen fragen, ob man dieses Fach in noch vertiefter und damit konsequenterweise häufig auch anspruchsvollerer Form weiter studieren möchte. Die Anforderungen können im Master Studiengang nämlich nur noch weiter ansteigen. Für einen Master entscheiden sich auch viele Studenten, weil sie bereits positive Beziehungen zu einem bestimmten Lehrstuhl pflegen oder sogar selbst als studentische Hilfskraft tätig waren. Wer eine gute Beziehung zu Professoren oder wissenschaftlichen Mitarbeitern aufgebaut hat, findet sich in einem entsprechenden Master Studiengang meist wohl. Letztendlich sprechen wohl vor allem die meist höhere Gehaltsklasse und die besseren Aufstiegsmöglichkeiten für einen Masterabschluss. Die Anerkennung ist hier weit höher.

Konsekutiver oder non-konsekutiver Master?

Baut der Master inhaltlich übereinstimmend auf dem Bachelor auf, so spricht man von einem konsekutiven Master. So lässt sich dies beispielsweise bei einem Bachelor in Physik und einem Master in Astrophysik demonstrieren. Die meisten Studenten entscheiden sich derzeit für einen solchen konsekutiven Werdegang. Einnicht-konsekutiver Master ist wohl eher vergleichbar mit dem Abschluss eines zweiten Bachelors. Beispiel für diese Form des Masterstudiengangs ist ein Bachelor in Informatik und ein Master in Wirtschaftswissenschaften. Der erworbene Titel ist im Nachhinein gleichrangig mit dem konsekutiven Master.

Argumente für den doppelten Bachelor

Ein zweiter Bachelor bietet sich zunächst für Studenten an, die nach ihrem ersten Abschluss das Gefühl haben, das völlig falsche Studienfach studiert zu haben. Häufig wird nur bis zuletzt durchgehalten, um die finanzierenden Eltern nicht zu enttäuschen oder einfach um etwas „in der Hand zu haben“. Danach folgt die Enttäuschung. Andere Studenten wissen nicht was sie mit ihrem Bachelor anfangen sollen. Die Jobsuche mit einem Bachelor in Kunstgeschichte gestaltet sich beispielsweise nicht leicht. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass sich Studenten für einen zweiten Bachelor entweder entscheiden, weil sie mit dem ersten auf Grund des Fachgebietes nicht zufrieden sind oder weil sie mit dem einzigen Bachelor wenig anfangen können und sich ein breiteres Basiswissen aneignen möchten. Im Gegensatz zu einem Mastertitel in einem Spezialgebiet, ist es bei einem doppelten Bachelor nicht eindeutig, dass ein besseres Gehalt gezahlt wird. Wer eine Kombination findet, die einen Vorteil im späteren Traumberuf bringen kann, kann gegebenenfalls auch mit einem höheren Lohn rechnen. Wer allerdings nach seinem Bachelor in Kunstgeschichte zu Biologie wechselt, kann damit wohl eher nicht rechnen. Bevor man allerdings sein ganzes Leben lang einem Beruf in Folge seines Bachelorstudiengangs nachgeht, den man nicht möchte, sollte man sich ein neues Grundwissen in einem anderen Bachelor aneignen und einen neuen Weg einschlagen. Vor allem für junge Studenten ist dann ein doppelter Bachelor empfehlenswert, denn dieser dauert ja noch einmal mindestens 3 volle Jahre lang.

Eine schwierige Entscheidung

Letztendlich muss jeder nach seinen individuellen Interessen und Lebensbedingungen entscheiden, ob er sich nach seinem ersten Bachelor für einen zweiten oder einen Master entscheidet. Da ein Masterabschluss in der Regelstudienzeit nur 2 Jahre im Gegensatz zu dem 3-jährigen Bachelor dauert, ist dies für ältere Studenten, die weniger Zeit für einen weiteren Studiengang haben, empfehlenswerter. Ein breites Basiswissen ist in vielen Berufen auch nicht unbedingt gefragt, weswegen eine Spezialisierung durch einen Masterstudiengang, dann ebenfalls besser ist. Bei einer Abneigung gegenüber dem ersten Bachelor, sollte man sich Gedanken über einen non-konsekutiven Master in einem anderen Gebiet machen. Dies wird in der Berufswelt häufig besser aufgefasst.

Bildquelle: © bluedesign / Fotolia.com

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