Leitfaden für das Auslandspraktikum

Ein Auslandspraktikum ist eine wichtige Referenz im Lebenslauf. Es zeigt dem Arbeitgeber, dass du dich auch in einem internationalen Umfeld zurechtfindest. Die praktische Erfahrung wird durch die Verbesserung deiner Fremdsprachenkenntnisse abgerundet. Hier kannst du dich bei Fragen rund um das Auslandspraktikum informieren.

Lohnt sich ein Auslandspraktikum?

Viele Studenten verzichten auf den Aufenthalt im Ausland und lassen sich damit eine einmalige Chance entgehen. Heute herrscht der Irrglaube, man müsse sein Studium möglichst schnell durchziehen. Es macht keinen großen Unterschied, ob du ein Semester mehr oder weniger benötigst. Die gesammelten Erfahrungen eines Auslandspraktikums zahlen sich aus – auf finanzieller und persönlicher Ebene. Insbesondere bei einer Bewerbung in einem international ausgerichteten Unternehmen kannst du mit einem solchen Praktikum wertvolle Pluspunkte sammeln. Du kannst jeden Personaler mit deinen tiefen Fremdsprachenkenntnissen beeindrucken und verfügst zudem über hervorragende Soft Skills, die dich von deinen Altersgenossen unterscheiden. Ein Auslandspraktikum bietet dir die Möglichkeit, neue Netzwerke zu knüpfen und interkulturelle Kompetenzen zu erwerben. Wenn du dich gut anstellst, hast du vielleicht sogar deinen neuen Arbeitgeber gefunden.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Das Auslandspraktikum erlaubt dir Einblicke in das Berufsleben zu gewinnen. Du kannst ausgiebig darüber nachdenken, welche berufliche Richtung du später einschlagen möchtest. Wie siehst du dich selbst in 10 Jahren? Ein Praktikum im Ausland hilft dir bei dieser schweren Entscheidung.

Du musst einige Voraussetzungen erfüllen, wenn du dich für einen Praktikumsplatz bewerben möchtest. Englische Fremdsprachenkenntnisse sind selbstverständlich, was auch für grundlegende Kenntnisse der Landessprache gilt. Einige Unternehmen verzichten darauf, da die Verständigung in der englischen Sprache erfolgt. Du solltest bereits einige Praktika im Inland absolviert haben, wenn du dich bei einem größeren Betrieb bewerben möchtest. Es ist ein großes Abenteuer, in einem fremden Land zu arbeiten. Wer über keinerlei Erfahrungen in unternehmerischen Abläufen verfügt, wird es schwer haben. Beide Punkte lassen jeden Personaler aufhorchen. Sie wünschen sich einen Bewerber, der nicht bereits nach vier Wochen verzweifelt aufgibt. Ein junger Student ohne Berufserfahrung ist ein hohes Risiko für Unternehmen. Daher solltest du wenigstens ein Praktikum in deinem Lebenslauf vorzuweisen haben.

Auslandspraktika sind meistens unbezahlte Erfahrungen. Du musst alles selbst in die Hand nehmen, wenn du ein „Internship“ anstrebst. Ausländische Unternehmen sehen Praktikanten eher als zusätzliche Belastung an. Sie müssen eingearbeitet werden und strapazieren somit die Belegschaft. Aufgrund dieser niedrigen Erwartungshaltung erfolgt keine Bezahlung. Es liegt an dir, deine Kollegen von deinen Fähigkeiten zu überzeugen. Je weiter das Zielland, desto länger sollte das Auslandspraktikum dauern. In der Schweiz genügen 3 bis 6 Monate, während in China eher 6 bis 12 Monate angebracht sind. Vermittelst du einen guten Eindruck, kannst du mit einem „Incentive“ rechnen, das heißt einer Bonuszahlung. Wenn du in den Genuss eines bezahlten Auslandspraktikums kommst, musst du dich besonders anstrengen. Die Erwartungshaltung ist deutlich höher, da du als motivierte Arbeitskraft angesehen wirst.

Wie finanziere ich das Auslandspraktikum?

Für Studenten an Hochschulen oder Universitäten besteht die Möglichkeit, sich über das Erasmus-Programm fördern zu lassen. Der monatliche Zuschuss wird über einen Zeitraum von 2 bis 12 Monaten in einem europäischen Land gewährt und beträgt zwischen 250 und 350 Euro. Alternativ ist die Förderung durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) zu empfehlen. Wer sein Auslandspraktikum bei einer internationalen Organisation absolvieren möchte, kann sich für ein Kurzstipendium (1,5 bis 3 Monate) bewerben. Ein weiteres Stipendium des DAAD ist das PROMOS-Programm. Insbesondere für Auslandsaufenthalte außerhalb der EU ist es von großem Interesse, da Erasmus auf den EU-Raum beschränkt ist. Studierende mit BAföG-Anspruch sollten sich mit ihrem Sachbearbeiter auseinandersetzen, ob der Anspruch im Ausland besteht. Im Regelfall sollte das spätestens 6 Monate vor dem geplanten Aufenthalt geschehen. Das Carlo-Schmid-Programm ist eine weitere Möglichkeit, sich sein Auslandspraktikum zu finanzieren. Es werden ausgeschriebene und selbstständig gefundene Aufenthalte gefördert.

Jede Hochschule verfügt über eigene Ansprechpartner für Auslandspraktika. Informiere dich über weitere Fördermöglichkeiten, da es zahlreiche regionale Institute gibt, wie das Stipendium des Deutsch-Französischen Jugendwerkes (DFJW). Das Auslandspraktikum muss im Curriculum fest verankert sein. Du kannst dir nicht einfach 6 Monate in Brasilien finanzieren lassen, weil du das gerne möchtest. Sieht die Studienordnung keinerlei Praktika vor, musst du die Kosten komplett selbst aufbringen. Allerdings besteht fast immer die Möglichkeit, freiwillig ins Ausland zu gehen. Gerade in Lehramtsstudiengängen wird diese Entscheidung den Studenten selbst überlassen. Jedoch ist der Aufenthalt meistens auf ein bestimmtes Fachsemester geknüpft. Studienanfänger sollen nicht gleich im ersten Semester ins Ausland verreisen und anschließend feststellen, dass sie den Studiengang wechseln möchten. Viele Unternehmen setzen eine bestandene Zwischenprüfung für das Auslandspraktikum voraus. Je begehrter der Job, desto besser sollten die Noten ausfallen.

Du möchtest ins Ausland gehen, obwohl deine Studienordnung keinerlei Praktika vorsieht? Informiere dich über freiwillige Optionen. Es ist wichtig, dass du konkrete Fragen stellst. In manchen Fällen kannst du für ein Semester an einer ausländischen Hochschule studieren, nicht jedoch bei einem Unternehmen arbeiten. Die Finanzierung hängt von dieser Fragestellung ab.

Kann ich das Praktikum in die vorlesungsfreie Zeit schieben?

Je nach Hochschule hast du mehrere Monate am Stück frei. Du glaubst, diese vorlesungsfreie Zeit ist für ein Auslandspraktikum bestens geeignet? Diesen Gedanken solltest du gründlich überdenken, da du den Aufwand überschätzt. Du musst ein Unternehmen finden, das sich auf solch einen kurzen Zeitraum einlässt. Grundsätzlich kannst du bei jedem Betrieb einen Internship anstreben. Jedoch macht das wenig Sinn, da du mindestens einen Monat benötigst, um dich in deinen Aufgabenbereich hineinzuarbeiten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass anspruchsvolle Aufgaben erst nach drei oder vier Monaten vergeben werden. Somit lernst du bei einem kurzen Auslandspraktikum nicht wirklich viel, sondern nimmst eher die Erfahrungen eines fremden Landes mit.

Viele Studenten unterschätzen die Organisation eines Auslandsaufenthaltes. Fertig, die Koffer sind gepackt! Du glaubst, damit wäre alles erledigt? Diese Checkliste hilft dir bei der Planung deines Auslandspraktikums:

  • Wo möchtest du arbeiten?
  • Hast du alle Bewerbungsfristen eingehalten?
  • Urlaubssemester – macht das Sinn?
  • Beherrscht du die Landessprache?
  • Wie sieht deine finanzielle Lage aus?
  • Ist der Flug schon gebucht?
  • Wo möchtest du wohnen?
  • Hast du dein Visum bereits erhalten?
  • Wie lange ist dein Reisepass noch gültig?

Wie du siehst, musst du ein echter Organisationskünstler sein. Je länger das Auslandspraktikum, desto mehr Erfahrungen kannst du daraus ziehen. Daher solltest du mindestens 6 Monate ins Ausland gehen, wenn du wirklich etwas lernen möchtest.

Du interessierst dich für weitere Möglichkeiten eines Auslandsaufenthalts? Dann ist die Rubrik Auslandsaufenthalt genau das Richtige für dich!

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