Infos und Tipps zum Praxissemester

Immer häufiger setzen Studienlehrgänge auf praktische Erfahrungen ihrer Teilnehmer und erweitern ihre Prüfungsordnung um das Praxissemester. Bei dieser Maßnahme geht es darum, dass die Studenten mehrere Wochen lang in einem passenden Unternehmen das bereits erlernte theoretische Wissen in der Praxis überprüfen, anwenden und vertiefen. Besonders in Fachhochschulen ist das Praktikum eine übliche Vorgehensweise. Sollte das Praxissemester auch einen Teil deiner Uni-Ausbildung darstellen, erwartet dich am Ende des Praktikums wahrscheinlich ein Praktikumsbericht, in dem du deine Erfahrungen zusammenfasst.

Erst einmal studieren, dann praktizieren

Ein Praxissemester im Ausland kann im Nachhinein in vielerlei Hinsicht äußerst nützlich sein

Ein Praxissemester im Ausland kann im Nachhinein in vielerlei Hinsicht äußerst nützlich sein

Bist du im ersten Semester, musst du dir zum Praktikum üblicherweise noch keine Gedanken machen. Finde dich erst einmal im Studienalltag zurecht und mach dich mit dem Lernstoff vertraut. Bachelor-Studiengänge schreiben in den meisten Fällen ab dem vierten Semester das Praktikum vor. Studierst du dann auch noch weiter auf Diplom oder Master, ist es in Ausnahmefällen möglich, dass kurz vor dem Abschluss ein weiteres Praxissemester auf dich wartet. Auf der Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz wirst du üblicherweise von einer geeigneten Person an deiner Universität betreut, die dir Auskunft gibt und dich berät. An einigen Hochschulen existieren auch Blockveranstaltungen oder Seminare, in denen du über relevante Details zum Thema Praktikum informiert wirst.
Tipp: Sollten sich für dein Studienfach internationale Erfahrungen lohnen und dich das Kennenlernen fremder Kulturen in Verbindung mit Job-Eindrücken in der Ferne reizen, kannst du dich auch in einem anderen Land für dein Praxissemester bewerben. Informiere dich aber vorher, ob dir das Auslandspraktikum an deiner Uni angerechnet wird.

1. Wie du das richtige Praktikum findest

Bewirbst du dich bei kleineren Unternehmen, stehen die Chancen für eine Zusage gut, zudem wird dir mehr Verantwortung übertragen

Bewirbst du dich bei kleineren Unternehmen, stehen die Chancen für eine Zusage gut, zudem wird dir mehr Verantwortung übertragen

„Die Suche nach dem richtigen Praktikum ist bereits ein Teil davon“ heißt es. Wer sich intensiv und gewissenhaft um die Beschaffung des Praktikums kümmert, lernt dabei bereits sehr viel. Du solltest dir vor der Bewerbung genau überlegen, was du willst, und realistisch einschätzen, was du kannst – und erst im Anschluss daran nach dem passenden Arbeitgeber suchen. Aber: Nicht nur du sollst den Wünschen deines Chefs entsprechen, auch er muss deine Anforderungen erfüllen können.
Tipp: Orientiere dich eher an kleineren Unternehmen, weil die oft nicht mit Bewerbungen überflutet werden, Praktikanten daher häufig mehr Verantwortung übertragen.

2. Wie du dich für das Praxissemester richtig bewirbst

Wähle zwei bis drei passende Unternehmen für dein Praxissemester aus und bewerbe dich dort gezielt, anstatt blindlings 30 Anfragen zu verschicken. In deinem Schreiben sollten folgende drei Fragen beantwortet sein: Wer bist du? Was willst du in der Firma? Warum willst du gerade zu dieser Firma? Es ist daher notwendig, dich im Vorhinein über den Betrieb zu informieren und dein Wissen subtil in der Bewerbung anklingen zu lassen. Das signalisiert Interesse! Sauberes Papier und fehlerfreier Text sollten eine Selbstverständlichkeit sein, eine selbstbewusste Formulierung kann helfen. Weitere Bewerbungstipps findest du hier

3. Was du beim Bewerbungsgespräch beachten solltest

Bei einem Rundgang durchs Haus solltest du die Mitarbeiter nur grüßen, aber Ihnen nicht die Hand schütteln

Bei einem Rundgang durchs Haus solltest du die Mitarbeiter nur grüßen, aber Ihnen nicht die Hand schütteln

Damit schon der erste Eindruck ein guter ist, solltest du dich vorab über gewisse Gepflogenheiten wie beispielsweise den Dresscode in dem Unternehmen informieren. Aufschluss darüber geben im Zweifelsfall Fotos auf der Homepage. Weiter gilt: Als eventuell zukünftiger Praktikant grüßt du alle im Haus, die dir begegnen, schüttelst aber niemandem die Hand, bevor dir die andere Person ihre nicht entgegenstreckt. Und: Auch wenn rundherum geduzt wird, wartest du selbstverständlich ab, bis man dir das Du anbietet.

4. Wie du als Praktikant auftrittst

Du solltest deutlich zeigen, dass du großes Interesse an der Arbeit hast und lernwillig bist. Darüber hinaus macht es einen guten Eindruck, wenn du dich reibungslos in das Team eingliederst, ohne deshalb unterwürfig alles hinzunehmen – du darfst ruhig deine Meinung sagen und diese vor dem Chef auch vertreten.
Tipp: Versuch nicht zum Überflieger zu werden und Kollegen zu übertrumpfen! Ansonsten gelten die üblichen Benimmregeln: pünktlich sein, Handy ausschalten oder auf lautlos stellen, nicht privat im Internet surfen und alle Mitarbeiter, vom Chef bis zum Reinigungspersonal, respektvoll behandeln.

5. Was du als Praktikant erwarten darfst

Setze deinen Anspruch auf Praxiserfahrung durch, sobald dich Kollegen für unliebsame Arbeiten einspannen

Setze deinen Anspruch auf Praxiserfahrung durch, sobald dich Kollegen für unliebsame Arbeiten einspannen

Unter Umständen kann es passieren, dass dich deine Kollegen im Unternehmen zu ihren Zwecken einspannen und unliebsame Arbeiten auf dich abwälzen. Sie schicken dich in der Mittagspause für alle einkaufen oder lassen dich stundenlang Akten kopieren. Das kann allerdings nicht im Interesse des Chefs sein, daher sollte er es erfahren. Zuerst einmal versuchst du aber, dich alleine aus der Handlanger-Falle zu befreien, doch wenn das nicht klappt, bleibt nur der Weg zum Vorgesetzten. Unter Umständen merken die Kollegen allerdings gar nicht, dass du unterfordert bist. Du solltest daher spätestens nach ein paar Tagen, in denen du nur „Idioten-Jobs“ erledigt hast, darauf hinweisen, dass du etwas lernen willst – weil du Anspruch auf Praxiserfahrung in deinem künftigen Beruf hast.
Tipp: Sprich deinen Chef vor dem Praxissemester darauf an, ob deine Aufgaben in einem Vertrag festgelegt werden können.

6. Welche Rechte du als Praktikant hast

Du musst maximal acht Stunden am Tag arbeiten, hast dabei ein Recht auf eine 30-minütige Pause und kannst Urlaub beantragen (die Länge hängt von der Dauer des Praktikums ab – üblicherweise zwei Tage pro Monat). Auch wenn die Realität leider anders aussieht, hast du natürlich Anspruch auf eine angemessene Vergütung deiner Leistung – für Studenten beträgt der Lohn rund 500 Euro pro Monat. Letztlich entscheidet aber der Arbeitgeber, was er für angemessen hält. Am besten du stellst dich darauf ein, das Essen in der Kantine gratis zu bekommen und nach dem Praxissemester ein gutes Zeugnis zu erhalten. Auf die Bescheinigung, in der Dauer und Art der Tätigkeit beschrieben ist, hast du ein Recht, egal, wie lange du in dem Unternehmen tätig bist.

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