Hochschulrat der LMU – Streit um Annette Schavan

Ende September 2013 wurde in München ein neues Mitglied in den Hochschulrat der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) berufen. Sofort entbrannte über diese Personalie eine heftige Diskussion, denn bei dem neuen Mitglied handelt es sich um Annette Schavan. Immerhin war Schavan im Februar 2013 als Bundesbildungsministerin zurückgetreten, nachdem ihr der Doktortitel wegen „vorsätzlicher Täuschung“ in ihrer Doktorarbeit entzogen worden war. Noch schwebt ein Gerichtsverfahren, ob der Entzug des Doktortitels rechtlich zulässig ist. Doch zugleich wird darüber diskutiert, ob jemand Mitglied des Hochschulrates sein kann, dessen wissenschaftliche Integrität in Frage steht.

Hochschulverband betrachtet die Berufung Schavans als Affront

Die schärfste Kritik an der Berufung von Annette Schavan in den Hochschulrat kam im Herbst 2013 vom Deutschen Hochschulverband. In einem so bedeutenden Leitungsgremium wie dem Hochschulrat der LMU dürften nur Personen vertreten sein, deren wissenschaftliche und akademische Integrität über jeden Zweifel erhaben sei, erklärte ein Sprecher des Hochschulverbandes. Annette Schavan ist aber in den Augen des Verbandes eine „überführte Plagiatorin“. Dabei will der Hochschulverband den Einwand nicht gelten lassen, dass Schavan gegen den Entzug des Doktortitels Klage erhoben hat. Zum jetzigen Zeitpunkt habe noch immer die Entscheidung des zuständigen Fakultätsrates der Düsseldorfer Universität Bestand, dass Annette Schavan „vorsätzlich getäuscht“ habe. Die Berufung in den Hochschulrat der LMU widerspreche daher dem akademischen Comment und sei ein Affront gegen die Düsseldorfer Kollegen.

Die Plagiatsaffäre – Ende einer eindrucksvollen Karriere

Nachdem im Frühsommer 2012 die ersten Vorwürfe aufgetaucht waren, Annette Schavan habe in ihrer Doktorarbeit „Person und Gewissen“ aus dem Jahre 1980 zahlreiche Textstellen ohne Kenntlichmachung der Verfasser abgeschrieben, überprüfte der Fakultätsrat der Philosophische Fakultät an der Düsseldorfer Universität die Doktorarbeit. Im Februar 2013 befand der Fakultätsrat, dass die Vorwürfe begründet waren und entschloss, Annette Schavan den Doktortitel abzuerkennen. Wenige Tage später trat Schavan als Bildungsministerin zurück. Es war der vorläufige Abschluss einer beachtenswerten Karriere einer anerkannten und beliebten Politikerin.

Schavan, geb. 1955, studierte Erziehungswissenschaften, Philosophie und Katholische Theologie. Das Studium schloss sie mit einer grundständigen Promotion zum Dr. phil. ab. Ihr beruflicher Werdegang führte sie zunächst zum Cusanuswerk, das sie 1991 bis 1995 als Geschäftsführerin leitete. 1995 erfolgte der große Schritt auf die politische Bühne, als sie zur Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg ernannt wurde. Bald darauf gewann Annette Schavan auch in der Bundespolitik an Gewicht – 1998 wurde sie zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU gewählt. Annette Schavan zog 2005 in den Bundestag ein und wurde Ministerin für Bildung und Forschung in der Bundesregierung von Angela Merkel. In ihrer Amtszeit gelangt es Annette Schavan wichtige Entscheidungen zu treffen. So trieb sie die Hightech-Strategie und die Exzellenzinitiative voran.

Der Streit um Schavan

Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass die LMU, die dank der Initiative von Schavan zur Exzellenzuniversität werden konnte, nun darüber diskutieren muss, ob es mit dem Status der Exzellenzuniversität vereinbar ist, dass Schavan im Hochschulrat sitzt.
LMU-Präsident Huber verteidigt die Ernennung von Annette Schavan. Sie verfüge über große Erfahrung als Wissenschaftspolitikerin. Bezeichnenderweise finden sich auch kaum Stimmen, die das bestreiten. Nicht wegen ihrer Person, sondern wegen des gegen sie im Raum stehenden Verdachts, sei sie völlig ungeeignet für den Mitgliedschaft im Hochschulrat. Neben deutlicher Kritik ließen kürzlich aber die Grünen erkennen, dass sie mit der Berufung Schavans selbst dann leben könnten, wenn sie im laufenden Gerichtsverfahren unterliegt: Denn Frauen sind im Hochschulrat ohnehin unterrepräsentiert, sagt die grüne Bildungsexpertin Ulrike Grote.

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