Existenzgründung während des Studiums

Wenn Du studierst, ist der Berufsstart noch fern. Du bekommst Bafög oder schlägst dich mit Studentenjobs durch. Leider haben diese Jobs oft nicht unbedingt etwas mit den eigenen Fähigkeiten und dem Studium zu tun. Und vom Verdienst wollen wir gar nicht reden. Da kommt dem einen oder der anderen im Studium der Gedanke: Ich werde schon jetzt mein eigener Chef und baue mir eine eigene Existenz auf. Geht das? Aber auf jeden Fall! Wie oft im Leben hat dieser Weg Chancen, Möglichkeiten und auch Pflichten und Tücken. Welche das sind und wie man mit ihnen umgeht, damit der Sprung ins eigene Geschäft gelingt, das verraten wir hier.

Was Mut machen soll

Wieviel Selbständige kennst Du persönlich? Wahrscheinlich keinen. Dennoch haben wir alle schon etwas davon „gehört“. Meistens Negatives. Warum ist das so? Weil wir Nichtwissen so schwer ertragen, dass wir es mit Halbwissen kompensieren. Dies ist dann auch noch oft negativer Art, da überwiegend schlechte Nachrichten verbreitet und gemerkt werden. Hier also Fakten:

2010 gab es fast 1.000.000 Gründer in Deutschland. Ein Drittel davon hat einen Hochschulabschluss. Etwa ein Drittel sind jung wie du: 25 bis 34 Jahre alt, jawohl! . Interessanterweise sind Teamgründungen beständiger und erfolgreicher als Einzelgründungen.

Selbständigkeit ist hartes Business und nichts für Traumtänzer. Die notwendigen Fragen dazu kommen später. Zunächst aber ein paar Informationen, wenn Du schon jetzt Gedanken hast wie: Aber als Student kann ich das ja gar nicht!

Der Studentenstatus 1: Die Krankenversicherung als Selbständiger

Als Student oder Studentin bist du bis zum Ende des 25. Lebensjahres familienversichert. Bei Zivildienst oder Wehrdienst verlängert sich die Zeit um die Monate des Dienstes. Du zahlst also keine Beiträge, das ist ein Vorteil, da sonst gerade dieser Ausgabenposten für Freiberufler sehr hoch zu veranschlagen ist, denn man muss den Krankenkassenbeitrag alleine stemmen, es gibt ja keinen Arbeitgeberanteil wie bei einem Angestellten. Aber: Offiziell darf die verrichtete Arbeit in Selbständigkeit nicht mehr als 20 Stunden pro Woche betragen. Und mehr als 385 Euro pro Monat darf auch nicht verdient werden. Hier sollte man bei der Krankenkasse mit offenen Karten spielen, sonst kann die Familienversicherung auch rückwirkend gekündigt werden. Doch auch bei höherem Verdienst kann ein versicherungspflichtiger Student eventuell zu einem sehr günstigen Studententarife versichert werden. Anbietervergleiche lohnen sich. Für den Fall des Scheiterns sollte die erneute Aufnahme in einer gesetzlichen Krankenversicherung unbedingt möglich bleiben. Eine Einkommensteuererklärung muss man auch als Student machen, aber 8000 Euro pro Jahr bleiben steuerfrei!

Der Studentenstatus 2: Das BAföG

Um die 400€ kann man als BAföG-Empfänger hinzuverdienen - dies gilt auch während der Selbstständigkeit

Um die 400€ kann man als BAföG-Empfänger hinzuverdienen – dies gilt auch während der Selbstständigkeit

BAföG zu beziehen ist nicht grundsätzlich ein Grund, auf eine Selbständigkeit zu verzichten. Man muss nur um die Bedingungen des BAföGs wissen. Beim Überschreiten der Regelstudienzeit enden die BAföG-Zahlungen. Ein Dazuverdienen von 400 Euro im Monat ist möglich. Eine gute Selbsteinschätzung ist hier gefragt. Es hat sich gezeigt, dass es sinnvoll ist, ein Studium auch bei Erfolg in der Selbständigkeit fertig zu machen. Wenn man für die Existenzgründung Finanzmittel einwerben möchte, etwa als Kredit bei einer Bank, ist das Bafög ein Nachteil, da das BAföG ebenfalls anteilig zurückbezahlt werden muss. Das belastet die finanziellen Möglichkeiten, auch in die Zukunft.

Der Studentenstatus 3: Geld für Existenzgründung

Was viele nicht wissen, es gibt auch Gründerstipendien. Dies gilt aber vor allem für Entwickler von neuen Technologien. Auch Studierende können hier gefördert werden, und zwar mit bis zu 800 Euro pro Monat. Wenn eine Gründerberatung an deiner Hochschule angeboten wird, dann nutze diese unbedingt. Man steht dort Gründungen positiv gegenüber, wird dich aber auch davor bewahren, ein unrealistisches Projekt anzugehen. Von der Agentur für Arbeit kann es Gründerförderung geben, auch für Studenten. Hierfür ist es allerdings notwendig, vor der Gründung 2 Jahre sozialversicherungspflichtig gearbeitet zu haben. Ein 800 Euro Job zählt da nicht zu! Für alle Formen der Verschuldung gilt: So niedrig wie möglich halten, da man sich sonst das Leben unnötig schwer macht. Klein anfangen und gesund wachsen ist besser als schnell hoch steigen und tief fallen.

Drei Gründertypen

Für die Selbstklärung ist gut zu wissen, dass es grob gesagt nur drei verschiedene Gründertypen gibt.

Die unterschiedlichen Gründertypen im Überblick (zum Vergrößern anklicken

Der Einzelkämpfer

Er kann etwas gut und hat etwas anzubieten, wobei er zunächst keine Unterstützung braucht. Meist sind dies Künstler, Schreibende, Grafiker, Designer oder andere. Für diesen Typus ist es wichtig, dass er sich für das eventuell fehlende Wissen (Finanzen, Verkauf, Marketing, Netzwerk usw.) Experten hinzu holt. You never walk alone.

Der Kleingewerbetreibende

Alle Formen von Produktion und Verkauf von Waren im weitesten Sinne ist hier gemeint. Früher klassisch das kleine alternative Schmucklädchen, heute oft der Online-Shop. Durch das Internet ist das Starten einer Verkaufskarriere leichter möglich, da zunächst viel weniger Kosten anfallen als für Anmietung von gewerblichen Räumen und man freie Zeiteinteilung hat, was für das Weiterstudieren sehr wichtig ist.

Der Produktpionier

Dies sind meist sehr helle und kreative Köpfe, die etwas Neues gestalten oder etwas Altes neu erfinden. Für diesen Typus gilt aber auch meist das Gleiche wie für den Einzelkämpfer.

Kein Typus ist besser als der Andere. Auch über Chancen lässt sich so noch nichts aussagen. Die Zeit der wichtigen Fragen ist also jetzt gekommen.

Bei allem Spaß – wie ernst ist es mir?

Warum willst du gründen? Die Antwort ist die Energie, die Dich antreiben wird. Reicht sie aus? Oder ist es ein Traum, der geträumt werden darf, aber Traum bleiben sollte?

Was hast du zu bieten? Auf dem Markt musst du deine Chancen realistisch einschätzen können. Du solltest wissen, was dein Alleinstellungsmerkmal ist. Glaubst du an dein „Produkt“ oder weichst du einer vielleicht zu harten Realität aus?

Um das herauszufinden, solltest du dich mit Menschen besprechen, die Sachkompetenz haben und eine ausreichende persönliche Distanz zu dir. Wenn dich das vor einer Insolvenz bewahrt, gut so. Gelernt hast du dann trotzdem etwas.

Ein vorläufiges Fazit

Grundsätzlich ist auch in der heutigen Zeit eine Existenzgründung für Studierende eine sinnvolle Möglichkeit. Wie beschrieben sind die Details sehr genau zu checken, die der Studentenstatus mit sich bringt. Die Geschäftsidee auf ihre Tauglichkeit zu prüfen heißt auch, sich an Experten zu wenden und eventuell ins Boot zu holen. Wichtig ist, die richtige Mischung von Enthusiasmus und Realitätssinn zu finden.

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