3Jun

Das Leben als Ersti

Die älteren Semester schütteln den Kopf, wenn die Erstis mal wieder scheinbar kopflos – aber gleichzeitig motiviert bis in die Haarspitzen – über den Campus rennen und doch den Wald vor lauter Bäumen nicht finden. Damit bei deinem Einstand insStudienleben alles klappt und du nicht „einer dieser Erstis“ wirst, haben wir einige Tipps für Studienanfängerzusammengetragen.

Wo? Was? Wie? Wann?

Verwirrung ist als Studienanfänger normal: Du kannst gar nicht alle wichtigen Fragen, die es zu klären gibt, nach einigen Stunden abhaken und praktisch sofort zu Business as usual übergehen. Wenn dir also nicht sofort alles gelingt und du dir ab und zu wie Alice im Wunderland vorkommst – verzweifele nicht, denn so wie dir geht es geschätzt 99 % aller Erstis. Gleichzeitig solltest du diese Zeit wertschätzen: Der Beginn eines Studiums ist eine aufregende Zeit, welche du in dieser Form wahrscheinlich nie wieder erleben wirst. Sammele Eindrücke, stürze dich ins Ungewisse und lege vor allem Scheu und Angst hab – oder hast du irgendetwas zu verlieren?

Die Institution hilft

Ob es sich um eine Fachhochschule oder eine Universität handelt, ist nebensächlich: Beide bieten zu Beginn eine sogenannteOrientierungswoche an (und falls das nicht der Fall ist, bist du an einer Einrichtung mit einem besonders bedauernswerten Etat gelandet). Wie du als Leserin oder Leser von bahnbrechendem Intellekt bereits vermutet haben wirst, dient eineOrientierungswoche der Orientierung: Welche Möglichkeiten bietet dir deine Einrichtung und welche Ziele kannst du hier erreichen? Diese und weitaus spezifischere Fragen kannst du dir von Tutoren und anderen, oft freiwilligen Hilfskräften beantworten lassen. Denke dabei an das Sprichwort: Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten.

Da Universitäten nicht nur Wissensmaschinen sein wollen, gehört zu einer Orientierungswoche häufig auch eine kulturell geprägte Besichtigung der Stadt und sehr oft auch eine Tour durch die typischen Studentenkneipen. Selbst dann, wenn du normalerweise eher der ruhige Typ bist und von Bier, Wein, Whiskey und Schnaps nicht viel hältst, solltest du allein aufgrund der sozialen Komponente daran teilnehmen.

Wo bin ich hier und finde ich jemals wieder nach Hause?

Je nach Universität oder Fachhochschule kann der Campus gigantische Ausmaße erreichen. An vielen Einrichtungen gibt es fürStudienanfänger (oder orientierungslose Eltern) daher Lagepläne, die an strategisch wichtigen Orten innerhalb der Gebäude und auf dem Campus selbst angebracht sind. Möglicherweise kannst du dir auch einen Lageplan des Geländes besorgen und die Einrichtung auf eigene Faust erkunden. Anders als in einer Schule wird dich hier niemand an die Hand nehmen und dich brav zum nächsten Hörsaal führen. Erwarte also gerade zu Beginn, dass du sehr viel laufen, Abkürzungen suchen und Bezeichnungen für besonders wichtige Räume oder Areale lernen wirst – und auch die Lage der sanitären Einrichtungen solltest du dir einprägen, um nicht nach zu viel Kaffeegenuss plötzlich ebenso wild mit den Armen rudernd wie verzweifelt durch die Flure zu rennen.

Smartphone, Tablet und Reader? Nein, Bücher!

Auch 2015 und darüber hinaus ist die klassische Universitätsbibliothek noch immer mit Büchern aus Papier ausgestattet. Da du früher oder später mit absoluter Sicherheit auf Fachliteratur zurückgreifen musst, solltest du dich so früh wie möglich um einen Bibliotheksausweis kümmern. Dazu meldest du dich entweder direkt beim gerade vor Ort anwesenden Mitarbeiter oder machst eine der Führungen mit, welche häufig für Erstis angeboten werden (und dort kannst du dich dann in der Regel ebenfalls anmelden). Da es gerade zu bestimmten Klausurphasen oder in Zeiten der Bachelor- und Masterarbeiten zu einem hohen Andrang auf bestimmte Bücher kommen kann, solltest du dir früh einprägen, wo die Kopierer stehen und wie du diese schnell bedienst.

Wie viel ist zu viel?

Das romantische Bild vom Studenten, der ein paar Mal in der Woche die Nase in das Buch steckt und sonst das Leben genießt und am Ende trotzdem ein summa cum laude unter der Promotion stehen hat, war nie mehr als ein Märchen. Wohl oder übel musst du auch als Ersti sehr viel lernen. Als Studienanfänger hast du immerhin die Möglichkeit, deinen eigenen Stundenplan zu erstellen – und dabei solltest du nicht übermotiviert vorgehen. Schaue nach, wo du wann anwesend sein musst und was überhaupt mit welche Gewichtung benotet wird. Anschließend kannst du damit beginnen, ein wenig zu priorisieren.

Gerade Erstis machen hier oft den Fehler, ihre Leistung falsch einzuschätzen. Du startest gerade ins Studium, bist voller Eifer und Motivation und denkst, dass dieser Zustand ewig anhält – was nicht stimmt. Mehr als acht Stunden am Tag sind eher eine Garantie für einen vorzeitigen Burnout als ein abgeschlossenes Studium und selbst 40 Stunden pro Woche sind sehr viel. Variiere also deinen Stundenplan, gönne dir Auszeiten und nutze das Wochenende so, wie es die arbeitende Bevölkerung auch tut: zur Erholung.

Was sind AStA, StuRa & Co.?

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) und der Studentenrat (StuRa) sind in vielen Punkten identisch, über die feinen Unterschiede möchten wir uns an dieser Stelle nicht auslassen. Welche Form dieser Gremien es auch immer an deiner Einrichtung gibt, ist nebensächlich, denn wichtig ist ihre Funktion: AStA oder StuRa sind für zahlreiche „politische“ Entscheidungen verantwortlich. Beispielsweise treffen die Mitglieder Entscheidungen darüber, wo Gelder benötigt werden („Stecken wir die 5.000 Euro in neue Sanitäranlagen oder kaufen wir neue Kopierer?“). Gleichzeitig ist es ihre Aufgabe, auf deine und die Bedürfnisse anderer Studenten zu hören und bei wirklich schwerwiegenden Problemen aktiv zu werden. Betrachte AStA und StuRa daher als eine Art Regierung – welche du bei Interesse natürlich gerne mit eigenen Ideen unterstützen darfst!

Lernen kann Spaß machen!

Abseits vom Universitätsalltag kannst du, je nach Einrichtung, auf unterschiedliche Kultur- oder Sprachangebote hoffen. Sehr viele Hochschulen bieten beispielsweise eine eigene Cafeteria, die häufig auch von einem bestimmten Motto begleitet wird – sodass vielleicht jeden Dienstag bestimmte Filme gezeigt werden. Auch sprachlich kannst du dich abseits des Stundenplans weiterentwickeln. Da du diese Angebote komplett freiwillig wahrnehmen würdest, darfst du sie auch nicht mit der drangsalierenden Pflicht des Stundenplans gleichsetzen. Oft macht das Lernen hier nämlich mehr Spaß, was dann auch zu schnelleren Lernerfolgen führt.

Bevor wir es vergessen: Kümmere dich als Studienanfänger auch möglichst bald um eine eigene E-Mail-Adresse der Hochschule! Dort kannst du dann frei von Spam und Angeboten für Tabletten von zweifelhaftem medizinischem Wertstudienrelevante E-Mails erhalten und dich über diesen Account auch über wichtige Informationen wie etwa deinen sicherlich vorbildlichen Notenspiegel informieren – auch als Ersti.

Bildquelle: © Eisenhans / Fotolia.com

 

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