29Nov

Das Deutschlandstipendium

Besondere Studenten müssen besonders gefördert werden. Dies hat mittlerweile auch der Staat erkannt und mit dem Deutschlandstipendium ein Programm ins Leben gerufen, das begabte Studenten finanziell während ihres Studiums unterstützt.

Nordrhein-Westfalen machte den Anfang

Piggy bank with coin stacksDas Deutschlandstipendium basiert in seiner jetzigen Form auf einem Programm, das bereits 2009 in Nordrhein-Westfalen eingesetzt wurde. Deutschlandweit wurde es im Sommer 2010 eingeführt, als der Bundestag dem „Gesetz zur Schaffung eines nationalen Stipendienprogramms“ zustimmte. Das Konzept sieht dabei eine Doppelfinanzierung vor, die zum einen durch den Staat und zum anderen durch private Mittel erbracht wird. Die privaten Mittel müssen dabei von den jeweiligen Hochschulen bei privaten Geldgebern eingeworben werden. So verteilt man die Ausgaben zwischen Staat und Wirtschaft, da beide ein großes Interesse daran haben, dass besonders begabte junge Menschen gefördert werden. Unternehmen, die sich zu einer Förderung entschieden haben, können den Studenten zudem noch zusätzliche Angebote wie zum Beispiel Praktika machen. Der Student ist jedoch nicht dazu verpflichtet, diese anzunehmen. Die Tatsache, dass er an dem Programm teilnimmt, bedeutet nicht, dass ihm in irgendeiner Weise Verpflichtungen gegenüber den fördernden Unternehmen entstehen.

Im vergangenen Jahr wurden bereits fast 14000 Studenten auf diese Art und Weise unterstützt und immer mehr Universitäten bieten das Deutschlandstipendium an.

Keine Gefahr für das Bafög

Das Deutschlandstipendium umfasst eine monatliche Förderung von 300 Euro. Diese wird einkommensunabhängig gewährt. Es spielt also keine Rolle, ob die Eltern ein sehr hohes Einkommen haben oder ob nicht. Auch eventuelle BAföG Zahlungen werden vom Stipendium nicht beeinträchtigt. Studenten, die sich für ein Deutschlandstipendium bewerben, müssen also nicht damit rechnen, dass ihnen bei Bewilligung das BAföG gekürzt wird. Die 300 Euro sind als zusätzliche Unterstützung gedacht, um die Finanzierung des Studiums zu erleichtern und sollen kein Ersatz für andere Leistungen sein. Einzig die Tatsache, dass man als Studierender bereits durch ein anderes Stipendienprogramm gefördert wird, kann dazu führen, dass man sich nicht mehr bewerben kann. Übersteigt die Leistung solcher Programme den Wert von 30 Euro im Monat, dann ist kein Deutschlandstipendium mehr möglich.

Die Länge der Zahlung ist auf die Länge der Regelstudienzeit beziehungsweise bis zum Examen beschränkt. Wer diese Zeit überschreitet, der erhält keine weitere Förderung. Der Mindestzeitraum beträgt zudem 2 Semester inklusive Semesterferien.

Das Auswahlverfahren

lchelnder mann hlt geldscheine in der handStudenten, die sich für ein Deutschlandstipendium interessieren, können sich bei ihrer jeweiligen Fakultät bewerben. Eine wichtige Rolle spielen, neben den Schul- und Studienleistungen, auch soziales Engagement oder Vereinsarbeit. Es wird versucht, eine vollständige Bewertung der Persönlichkeit in das Verfahren einfließen zu lassen. Generell Vorgaben dazu werden zwar vom Gesetzgeber gemacht, die detaillierte Ausgestaltung unterliegt allerdings der jeweiligen Hochschule. Auch die letztendliche Entscheidung über die Annahme des Antrages wird von einer Kommission an der Universität oder Fachhochschule entschieden. Der Staat hat darauf keinen Einfluss.

Kritische Stimmen bleiben

Der Versuch der Bundesregierung gemeinsam mit der Wirtschaft eine eigene Begabtenförderung zu etablieren, stieß nicht nur auf positive Resonanz. Experten kritisierten zum Beispiel, dass durch das Deutschlandstipendium Studenten in strukturschwachen Gebieten benachteiligt würden. Hochschulen hätten in diesen Teilen Deutschlands erheblich größere Probleme, passende Sponsoren zu finden. Zudem stehen die Auswahlverfahren in der Kritik. Da diese von den jeweiligen Universitäten individuell definiert werden können, sind sie sehr undurchsichtig. Dabei spielt auch die Tatsache mit hinein, dass die Vermutung nahe liegt, dass Unternehmen, die als Sponsoren auftreten, sich in das Verfahren einmischen. Dies ist möglich, weil der Gesetzgeber vorschreibt, dass nur ein Drittel der Summe ohne Zweckbindung verwendet werden muss. Den Effekt, den diese Vorschrift hat, kann man daran erkennen, dass aktuell 50% aller Stipendien an Studenten der Natur und Ingenieurswissenschaften sowie der Mathematik vergeben werden. Unternehmen, die in diesen Bereichen aktiv sind, haben ein großes Interesse als Förderer tätig zu werden, da es ihnen dabei helfen kann, den aktuellen Fachkräftemangel zu bekämpfen. Deshalb ist es auch in ihrem Sinne, dass die Stipendien an Studenten vergeben werden, die relevante Fachrichtungen studieren.

In anderen Bereichen wie Sprach- und Kulturwissenschaften ist es dagegen erheblich schwieriger, Sponsoren zu finden. Daher ist das Programm aktuell auch noch sehr weit davon entfernt, das anvisierte Ziel von 8% aller Studenten zu fördern. Obwohl das Ziel aktuell noch verfehlt ist, bleibt die Grundintension jedoch keine schlechte. Durch die Bologna Reform ist es für viele Studenten schwierig geworden, ein Studium zu finanzieren. Deshalb ist die Idee eines Deutschlandstipendiums grundlegend eine gute Sache.

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