BAföG Reform 2016 – das ändert sich

Es hat lange gedauert, bis die ursprünglichen Koalitionspläne zur Verbesserung der finanziellen Situation der Studenten in verbindliche Gesetzestexte gegossen waren. Letztendlich greift die BAföG Reform bis auf wenige Ausnahmen auch erst zum Wintersemester 2016/2017, die gesamte Finanzierung wird dann vom Bund übernommen. Die Änderungen dieser BAföG Reform werden sich finanziell durchaus bemerkbar machen, wie du den folgenden Ausführungen detailliert entnehmen kannst.

BAföG Reform 2016 – die Bundesländer bleiben außen vor

Mit der Übertragung der Finanzierung auf den Bund werden die Bundesländer kräftig entlastet, von rund 1,17 Milliarden Euro ist die Rede. Diese frei gewordenen Gelder sollen in die Unis, Hochschulen und Schulen fließen – das Ergebnis bleibt abzuwarten. Auch wenn die BAföG Reform sehr spät kommt, eröffnet sie doch einige Verbesserungen, die sich unter dem Strich bei jedem einzelnen Studierenden bemerkbar machen werden.

Anhebung der Bedarfssätze

Ein wesentlicher Punkt der BAföG Reform befasst sich mit den monatlichen Bedarfssätzen, die zum Wintersemester 2016/2017 um sieben Prozent angehoben werden. Im Vergleich stellen sich die Sätze wie folgt dar:

Grundbedarf

Aktuell kannst du einen monatlichen Grundbedarf von 373 Euro anmelden. Künftig stehen dir monatlich 399 Euro zu, dabei ist es unabhängig, ob du noch bei deinen Eltern oder außerhalb wohnst, solange du dich innerhalb Deutschlands oder der EU ansiedelst.

Bedarf für Unterkunft

Natürlich gibt es hier Unterschiede bezüglich deines Wohnortes: Wohnst du außerhalb, kannst du bisher 224 Euro im Monat beanspruchen, künftig 250 Euro. Kannst du noch bei den Eltern wohnen, stehen dir aktuell 49 Euro und ab 2016 52 Euro pro Monat zu.

Daraus ergibt sich ein neuer Regelbedarf:

Wohnung außerhalb – bisher: 597 Euro im Monat neu: 649 Euro im Monat
Wohnung bei Eltern – bisher: 422 Euro im Monat neu: 451 Euro im Monat

Auch die durchlaufenden Posten für die Zuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung werden im Rahmen der BAföG Reform von aktuell 73 Euro auf neu 86 Euro im Monat angehoben, sodass sich die Maximalförderung ab dem Herbst 2016 folgendermaßen darstellt:

Wohnung außerhalb – 735 Euro im Monat
Wohnung bei Eltern – 537 Euro im Monat

BAföG Reform 2016 - maximale Bedarfssätze / Maximalförderungen

Maximalförderung heute und ab der BAföG Reform 2016 im Überblick

 

Höhere Freibeträge nach BAföG Reform 2016

Bei der Beantragung von BAföG wird, wie du sicher weißt, das Einkommen deiner Eltern oder deines Partners oder deiner Partnerin geprüft. Die dabei zur berücksichtigen Freibeträge werden mit der BAföG Reform 2016 ebenfalls angehoben, die Messlatte für die Bewilligung liegt also nicht mehr so hoch. Ab 2016 können verheiratete Ehepartner 1.715 Euro vom Einkommen abziehen, leben deine Eltern nicht zusammen, können sie genauso viel ansetzen wir dein Partner oder deine Partnerin: 1.145 Euro. Eine weitere Abstufung gilt hinsichtlich der Partnerin oder des Partners eines Einkommensbeziehers. Dein Stiefvater oder deine Stiefmutter können einen Freibetrag von 570 Euro geltend machen. Beantragen weitere Kinder BAföG, beträgt dieser Freibetrag jeweils 520 Euro. Auch in dieser Beziehung werden die Beträge durch die BAföG Reform 2016 um sieben Prozent gesteigert.

Hinzuverdienen und BAföG – die neuen Möglichkeiten

Gleich vorweg: Rechnest du den neuen Freibetrag aus der BAföG Reform 2016, die Sozial- und die Werbungskostenpauschale zusammen, kannst du ohne Probleme einen 450-Euro-Job annehmen. Die BAföG-Förderung wird dadurch nicht beeinträchtigt. Aber im Einzelnen: Neben dem bereits benannten Freibetrag, der deiner Partnerin oder deinem Partner zur Verfügung steht, kannst du selbst künftig 290 Euro in Anspruch nehmen. Hast du bereits Kinder, steht dir pro Kind ein weiterer Einkommensfreibetrag von 520 Euro zu.

BAföG Reform 2016 – neue Vermögensfreibeträge

Konntest du bisher 5.200 Euro Vermögen ansparen, ohne dass dies Auswirkungen auf die BAföG-Förderung hat, erhöht sich diese Grenze mit der BAföG Reform 2016 auf 7.500 Euro. Für deine Partnerin oder deinen Partner kommen weitere 2.100 Euro hinzu, bislang sind es 1.800 Euro. Auch für deine Kinder kannst du jeweils 2.100 Euro ansetzen, schließlich sollte eine Altersvorsorge frühzeitig in die Wege geleitet werden. Du kannst dich also ab dem Herbst 2016 etwas freier bewegen und höhere Beträge ansparen.

Weitere wichtige Änderungen in der BAföG Reform 2016

Einige Erleichterungen kommen auf dich zu, leider erst zum Herbstsemester 2016/2017:

Künftig wird die Förderungslücke zwischen Bachelorabschluss und Masterstudium geschlossen, was eine deutliche Verbesserung zur bisherigen Regelung darstellt.

Wichtig:

Bereits ab 1.8.2015 kannst du von einer BAföG-Förderung profitieren, wenn du eine vorläufige Zulassung für dein Masterstudium erhältst. Innerhalb eines Jahres solltest du dann eine endgültige Zulassung vorlegen, um die Förderfähigkeit nicht zu beeinträchtigen.

Hinweis:

Beantrage bereits im Vorfeld des Masterstudiums einen Vorabentscheid gemäß § 46 Absatz 5 BAföG. Dabei wird die Förderfähigkeit dem Grunde nach geprüft und du kannst in aller Ruhe dein Studium planen. Auch diese Möglichkeit steht dir bereits ab dem 1.8.2015 offen.

Darüber hinaus können für Erstanträge auf BAföG ab August dieses Jahres 80 Prozent der voraussichtlichen Förderung als Abschlagszahlung in Anspruch genommen werden, wenn die Bearbeitung einen längeren Zeitraum in Anspruch nimmt. Die Kappung auf 360 Euro im Monat entfällt also.

Vereinfachungen in der BAföG Reform geplant

Bis zum August 2016 sollen die Bundesländer die Online-Beantragung für die BAföG-Förderung ermöglichen, der bürokratische Aufwand würde sich deutlich reduzieren. Dazu trägt auch eine weitere Neuregelung im Rahmen der BAföG Reform bei: Der zu Beginn des 5. Fachsemesters erforderliche Leistungsnachweis enthält bereits ab August dieses Jahres keinen Sonderfall mehr. Damit ersparst du dir die BAföG-Leistungsnachweise in früheren Fachsemestern.

Für ein Auslands-BAföG gilt jetzt die Rechtssprechung des EuGH, nach der beispielsweise bei der Prüfung der Förderfähigkeit in erster Linie die Verbundenheit zu Deutschland relevant ist, nicht mehr die Dauer des Aufenthaltes. Dementsprechend wird auch die Aufenthaltsdauer von vier Jahren auf 15 Monate als Zugangsvoraussetzung zur BAföG-Förderung verkürzt.

Fazit – BAföG Reform

Was lange währt, wird gut – auch wenn es natürlich noch viel zu verbessern gäbe. Allerdings werden die höheren Frei- und Förderungsbeträge schon einiges bewirken. Die Vereinfachungen, die bereits ab Sommer 2015 gelten, solltest du direkt ausnutzen. Du schaffst zum einen finanzielle Planbarkeit für dein Studium, zum anderen entlastest du dich selbst, deine Eltern oder deine eigene Familie. Natürlich bleiben wichtige Themen, wie bezahlbarer Wohnraum oder eine flächendeckende Versorgung mit Mensa-Angeboten oder Kinderbetreuung, noch unzureichend geregelt. Die BAföG Reform tritt in weiten Teilen erst kurz vor der neuen Bundestagswahl in Kraft, de facto werden die Zusagen aus dem Koalitionsvertrag auf diese Weise aber eingehalten – besser spät als nie.