Das Assessmentcenter

Wer der Ansicht ist, er habe mit der Abschlussprüfung an der Universität das Schlimmste überstanden, der irrt. Denn seit einigen Jahren müssen Studenten, die in der Berufswelt Fuß fassen möchten, ein sogenanntes Assessmentcenter (AC) durchlaufen. Mittlerweile wenden nahezu alle größeren Unternehmen diese Methode der Rekrutierung an, um die Eignung potentieller Kandidaten genauestens zu eruieren. Die härteste Form der Bewerberauswahl setzt eine gute Vorbereitung voraus. Erfahre, was Dich erwartet und mit welchen Tipps Du deine Fähigkeiten verbessern und die Rivalen ausstechen kannst.

Assessmentcenter – Was sich hinter dem härtesten Auswahlverfahren verbirg

Der Begriff Assessment stammt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Bewertung“, „Abschätzung“ und „Feststellung“. Unlängst hat sich diese Methode auch in Deutschland etabliert, wo sie gelegentlich auch unter den Bezeichnungen Personalentwicklungsseminar oder Auswahltag anzutreffen ist. Schätzungsweise über 100 Unternehmen setzen dieses Verfahren regelmäßig im Rahmen ihrer Personalakquise ein. Ursprünglich ausschließlich für höher dotierte Führungspositionen im Wirtschaftsbereich gedacht, ist dieses Verfahren zwischenzeitlich das bevorzugte Instrument zur Personalentwicklung und Personalauslese. Im Grunde genommen handelt es sich bei dem Assessmentcenter um eine Kombination aus unterschiedlichen Gesprächen, Planspielen und Tests. Konkret verbergen sich Arbeits- und Verhaltensproben dahinter. Vertreter des jeweiligen Unternehmens begutachten und prüfen systematisch jeden einzelnen Kandidaten ein bis drei Tage lang – in Einzel- sowie Gruppenübungen. Unter teilweise schwierigen Bedingungen geht es für die Bewerber darum, eine Anzahl von Aktivitäten durchzuführen. Die Zusammensetzung dieser Aktivitäten basiert auf dem spezifischen Anforderungsniveau und auf abgestimmten Verhaltenskriterien einer bestimmten Funktion.

Was das Assessmentcenter ins Visier nimmt

Obwohl mehrere Erscheinungsformen des Assessmentcenters unterschieden werden, liegt der Fokus der einzelnen Übungen stets auf der Persönlichkeit des Teilnehmers. Am besten schneidet dabei derjenige ab, der trotz erheblicher Komplikationen Kompetenz sowie Souveränität ausstrahlt. Über die beobachteten Kandidaten soll die Methode Rückschlüsse liefern hinsichtlich Problemlösungskompetenz, Allgemein- und Fachwissen, Konzentrationsfähigkeit und Soziales Verhalten. Gesondert betrachtet werden zudem folgende Fähigkeiten und Merkmale:
– Entscheidungsfähigkeit
– Flexibilität
– Kontrolle
– Planung
– Kreativität
– Initiative
– Führungsfähigkeiten
– Interpersonelles Verhaltensrepertoire
– Schriftliche und mündliche Kommunikationsfähigkeit
– Verhalten in Stress-Situationen

Unternehmen möchten mit dem Assessmentcenter abschätzen, wer im Alltag in der Lage sein wird, in kurzer Zeit umsetzbare Lösungen anzubieten, adäquate Entscheidungen zu treffen und über ein produktives Betriebsklima zu einem geschäftlichen Erfolg beizutragen. Wenn Du jederzeit und überall Präsenz zeigst, kompromissfähig bist, Diskussionen zu Deinen Gunsten entscheidest und Konflikte erfolgreich löst, wirst Du durch Deine Persönlichkeit für das Unternehmen mit Sicherheit als eine Bereicherung angesehen werden. Dann wird Dir nämlich zugetraut, dass Du auch gegenüber Geschäftspartnern, Kunden und Mitarbeitern Sympathien wecken und überzeugend agieren kannst.

Typische Rollenspiele, Tests und Übungen

Postkorb-Übung

Hierbei handelt es sich um eine klassische Einzelaufgabe, die sich über etwa 60 Minuten erstreckt. Die Teilnehmer erhalten einen „Postkorb“ mit 10-20 Schriftstücken, die innerhalb der vorgegebenen Zeitspanne zu bewältigen sind. Die zu lösenden Probleme sind vielfältiger Natur und gestatten keine Rückfragen. Jedes Dokument hat bestimmte Rahmenbedingungen (z.B. eine feste Abgabefrist), die es einzuhalten gilt. Da sich die Vorgaben zum Teil auch überschneiden, müssen zwingend Prioritäten gesetzt werden. Es geht nunmehr darum zu entscheiden, welche Aufgaben unverzüglich selbst zu erledigen sind, welche delegiert werden können und welche zunächst unbearbeitet bleiben können. Um den Stressfaktor weiter zu erhöhen, sind in der Regel diverse Störquellen wie Mitarbeitergespräche, Telefonate oder zusätzliche Schriftstücke vorgesehen. Eventuell ist die Aufgabe so konzipiert, dass nicht alles innerhalb der Zeitvorgabe bewältigt werden kann. Entscheidungen werden schriftlich festgehalten, um diese in einem späteren Gespräch begründen zu können. Ziel der Postkorb-Übung ist es, Konzentration, analytisches Denken, Arbeitsorganisation, Entscheidungsfähigkeit und Stressresistenz zu prüfen. Im anschließenden Gespräch wird auch die Kritikfähigkeit des Kandidaten unter die Lupe genommen.

Tipps: Unterscheide zunächst zwischen unwichtigen und wichtigen Aufgaben. Mit etwas Konzentration und Logik fällt Dir diese Herausforderung einfacher als auf den ersten Blick. Sortiere anschließend die Aufgaben nach ihrer Dringlichkeit. Dringlichen sowie wichtigen Aufgaben solltest Du Dich sofort zuwenden. Wichtige, jedoch nicht gerade dringliche Aufgaben, kannst Du auf Termin nehmen. Solche die hingegen nicht so wichtig, sehr wohl aber dringlich sind, solltest du an die Mitarbeiter delegieren. Ist die Aufgabe weder dringlich noch wichtig, kann sie auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

Rollenspiel

Diese Form der Gruppendiskussion stellt ein beliebtes und wichtiges Element dar, in dem sich zwei Teilnehmer im Rahmen eines simulierten Zweiergesprächs beweisen müssen. Gerne wird ein Kunden- oder Mitarbeitergespräch nachgestellt. Der erste Fall kommt gerne bei IT- oder Vertriebs-Jobs zum Einsatz, wobei es sich konkret um eine Support-Anfrage, eine Reklamation oder ein Verkaufsgespräch handeln kann. Wichtig dabei ist, sich mit der Rolle zu identifizieren und als Repräsentant des Unternehmens aufzutreten, ohne dabei Bedürfnisse und Wünsche des Kunden aus den Augen zu verlieren. Wer nur die Produkte schnell an den Mann bringen möchte, ohne den individuellen Bedarf des Kunden zu berücksichtigen, wird das angestrebte Ziel nicht erreichen. Es kommt vor allem auch darauf an, unternehmerisch zu handeln, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und Gesprächssituationen zu entschärfen.

Diese Form der Gruppendiskussion stellt ein beliebtes und wichtiges Element dar, in dem sich zwei Teilnehmer im Rahmen eines simulierten Zweiergesprächs beweisen müssen. Gerne wird ein Kunden- oder Mitarbeitergespräch nachgestellt. Der erste Fall kommt gerne bei IT- oder Vertriebs-Jobs zum Einsatz, wobei es sich konkret um eine Support-Anfrage, eine Reklamation oder ein Verkaufsgespräch handeln kann. Wichtig dabei ist, sich mit der Rolle zu identifizieren und als Repräsentant des Unternehmens aufzutreten, ohne dabei Bedürfnisse und Wünsche des Kunden aus den Augen zu verlieren. Wer nur die Produkte schnell an den Mann bringen möchte, ohne den individuellen Bedarf des Kunden zu berücksichtigen, wird das angestrebte Ziel nicht erreichen. Es kommt vor allem auch darauf an, unternehmerisch zu handeln, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und Gesprächssituationen zu entschärfen.

Mitarbeitergespräche finden sich häufig bei der Besetzung von Führungspositionen oder HR-Jobs. Hier findest Du Dich in der Situation des Vorgesetzten wieder, welcher ein kritisches Gespräch über Betriebsklima oder Arbeitsleistung zu führen hat. Ziel ist es, seinen Gegenüber zum Einlenken zu bewegen und einen beidseitig befriedigenden Konsens herbeizuführen, ohne dabei die Gesprächsführung abzugeben.

Tipps: Der wahrscheinlich uneinsichtige Mitarbeiter wird Dich zunächst mit Vorwürfen, Schuldzuweisungen und Ausreden konfrontieren. Bleibe dabei zielorientiert und sachlich und handle menschlich sowie im Interesse der Firma. Beginne, indem Du die Situation aus Deiner Sicht schilderst, wobei Du Deine Einschätzung mit konkreten Beispielen belegen solltest. Anschließend solltest Du Dich nach der Ansicht des Mitarbeiters erkundigen. Erfrage anschließend die Gründe seines Fehlverhaltens und versuche die negativen Auswirkungen für das Unternehmen darzustellen (z.B. Umsatzeinbußen, negative Reputation, schlechtes Arbeitsklima). Sei besonders aufmerksam, da Du nur dann die Situation richtig einordnen und angemessen darauf reagieren kannst.

Selbstpräsentation

Nicht selten stellt die Selbstpräsentation die Weichen für den weiteren Verlauf des Assessmentcenter. Die Teilnehmer erhalten dabei die Chance, das eigene Profil individuell zu präsentieren. Im Gegensatz zu den anderen Aufgaben kannst Du frei darüber befinden, was Du machen und sagen willst. Die Selbstpräsentation schließt oft an eine kleine Vorstellungsrunde des Unternehmens an. Sie sollte einige Minuten dauern und kann Unternehmensvertreter (Assessoren) wie auch Mitbewerber über folgende Punkte informieren:
– Name
– Wohnort
– Alter
– Besuchte Hochschule
– Studiengang und Schwerpunkte
– Persönliche Gründe für diesen Studiengang
– Gesammelte Auslandserfahrungen
– Praxiserfahrungen in dem Job
– Wieso Du Dich für dieses Unternehmen entschieden hast

Tipps: Nutze die Zeit sinnvoll indem Du die wichtigsten Informationen prägnant und knackig wiedergibst. Achte auf eine sinnvolle Struktur (Roter Faden) und vermeide subjektive Bewertungen bisheriger Tätigkeiten. Ferner solltest Du davon absehen, die Informationen gelangweilt herunterzubeten. In diesem Sinne spielt die Körpersprache und sowie die Tonlage eine wichtige Rolle. Wende Dich nicht nur den Assessoren, sondern ruhig auch den anderen Kandidaten zu. Hilfsmittel wie Flipchart darfst Du gerne zur optischen Unterstützung einsetzen, solltest Dir jedoch im Umgang mit diesen sicher sein. Am Ende kannst Du ruhig ein kurzes Resümee der wichtigsten Aspekte ziehen und nochmals herausstellen, weshalb Du die richtige Person für diesen Job bist. Idealerweise übst Du die Selbstpräsentation bereits vorab im Bekannten- oder Freundeskreis.