Abitur – und dann?

Abitur – und dann?

Seit zwölf Jahren wälzt man sich durch den Schulalltag, paukt Vokabeln und geometrische Formeln und hangelt sich mehr oder weniger erfolgreich von Ferienzeit zu Ferienzeit. Alles gipfelt schlussendlich in den stressigen Vorbereitungen zum Abitur. Die letzten Klausuren vor der großen Prüfung schränken die Freizeitgestaltung immens ein und mit Freunden abgefeierthat man schon wochenlang nicht mehr. Naht dann der „D-Day“ aller Abiturienten, nehmen der eigene Leistungsdruck und die Erwartungen der Eltern überhand und man denkt an nichts anderes mehr, als an das Abitur. Die Prüfungstage erlebt man zumeist in einem Rauschzustand zwischen Nervosität und Erleichterung und unversehens ist er dann da: Der Tag der letzten Prüfung.

„Aus ist’s“ – das muss gefeiert werden

Endlich ist die quälende Lernerei vorbei und eine scheinbar bleierne Last fällt von den Schülern ab. Doch Zeit zum Nachdenken hat man nach dem Abitur nur wenig. Die klasseninterne Abschlussfete will organisiert werden, für den Abiball braucht es noch einen Freiwilligen für die Rede und dann muss man auch noch für die Abireisepacken. Die Hektik nach dem Abitur ist zwar fröhlicher und entspannter als davor, nimmt die Beteiligten aber nicht minder in Anspruch. Eine Woche Lloret de Mar oder feierintensive Tage in einer europäischen Hauptstadt eigenen sich nicht gerade zur Besinnung und so holt ehemalige Schüler nach dem Abitur ein Versäumnis ein. Bei aller Prüfungsvorbereitung hat man darauf vergessen, wie es nun weiter geht.

Links, rechts oder in der Mitte weiter?

Kommt man nach Lernstress und Partystimmung irgendwann zum Reflektieren, stellt sich die Frage, was man eigentlich vom Leben will. So lange man denken kann dominierten Stundenpläne, Klausuren und die Anweisungen des Elternhauses das Dasein. Plötzlich ist man frei und doch auch in der Pflicht, gewichtige Entscheidungen zu treffen. Wohin soll der Lebensweg außerhalb des Gymnasiums führen? Uni oder erst ein Praktikum? Für manche Abiturienten stellt sich die Frage nach einem Aufenthalt im „Ferienlager“ der Bundesrepublik. Karriere bei der Bundeswehr oder vielleicht eine ganz normale Ausbildung? Zusätzlich zur akuten Orientierungslosigkeit hört man zu allem Überfluss noch permanent die Uhr ticken. Die Zeit drängt, denn die Einschreibungen für die Universitäten sind eigentlich längst gelaufen. Was nun? Der ganze Strudel aus Prüfungsstress und Abschlussparty hat den Herbst in weite Ferne rücken lassen und jetzt naht er mit unaufhaltsamer Präzision.

Gegenmaßnahmen gegen das „böse Erwachen“

Im Idealfall macht man sich schon in den Jahren vor dem Abitur Gedanken über den weiteren Werdegang. Man hat ja doch über ein Jahrzehnt Zeit, darüber zu grübeln, was man denn eigentlich möchte. Die Pubertät ist zwar eine Phase der fortwährenden Veränderung, doch merkt man schon als Teenager, wo die persönlichen Interessen liegen. Bevor man auf die Zielgerade „Abitur“ mit all seinen mündlichen und schriftlichen Prüfungen einbiegt, darf man sich bereits festlegen. Eine Einschreibung an einer Uni ist kein großer Akt, wenn man für sich geklärt hat, wie es denn weitergehen soll. Hat man jenes Zeitfenster jedoch übersehen, bleiben nur Alternativen und gewinnbringende Überbrückungen.

Backpacker, Praktikanten und Jobber

Doch sollte man sich nach dem Verschlafen jener Entscheidungen nicht selbst eine Unterlassungsklage auferlegen. Da bekanntermaßen viele Wege nach Rom führen ist eine Auszeit, eine Reise oder ein „Sich-Ausprobieren“ nicht immer die schlechteste Alternative. Viele Unentschlossene machen sich auf den Weg, fremde Länder zu erkunden und dort Erfahrungen zu sammeln. Australien beispielsweise bietet mit seinem „Working Travel Visum“ zwölf Monate die Gelegenheit, Spannendes für den Lebenslauf zu sammeln. Die Jobsituation in Down Under ist gut und saisonale Arbeitskräfte werden immer gebraucht. Außerdem schließt man dort etwaige Bildungslücken aus dem Englischunterricht. Neben dem Job als australischer Erntehelfer oderTouristen-Guide kann man natürlich auch durch das Land reisen. Der wohlverdiente Urlaub nach anstrengenden Schuljahren sollte keinesfalls zu kurz kommen. Für viele Schulabgänger ist die Vorstellung beängstigend, sich mit einem Studium oder einer Einschreibung für den gehobenen Dienst für alle Zeiten einer Berufssparte zu verschreiben. Wie soll man mit noch nicht einmal zwanzig Lenzen wissen, welchen Job man bis zum Rentenalter ausüben möchte? Praktika schaffen Abhilfe. Viele Unternehmen freuen sich über Praktikanten und gewähren einen genauen Einblick in den beruflichen Alltag. Was erwartet einen als Journalist, als Architekt oder Anwalt? Ein Praktikum liefert mitunter wegweisende Impressionen. Vielleicht weiß man hinterher noch immer nicht, was man will, so doch gegebenenfalls was man nicht möchte. Doch wichtig ist, wenigsten ein Jahr nach dem Abitur keine Fristen zu versausen. Um nicht zwischen dem Praktikum, dem Job als Kellner oder der Auslandsreise wieder das Ziel aus den Augen zu verlieren, lohnt es sich einen Zeitplan festzulegen. Wer weiß, was er will sollte keine Zeit verschwenden und gleich an vorderster Front zur Uni-Einschreibung antreten.